Taxi Driver erzählt die Geschichte eines Außenseiters. Schlaflosigkeit treibt den 26-jährigen Vietnam-Veteranen Travis Bickle durch die nächtlichen Straßen New Yorks. Während sein Taxi zwischen den Leuchtreklamen der Vergnügungsviertel hindurchgleitet, schweifen seine Blicke auf die Gehwege, um dort jeden Vorgang seismografisch zu registrieren. Die Huren, Zuhälter und Drogendealer an New Yorks 42. Straße sind ihm ein Dorn im Auge. Schließlich fällt der sozial vereinsamte Beobachter Bickle sein ganz eigenes moralisches Urteil: "Someday, a real rain will come and wash all this scum off the streets." Er zieht daraus den Schluss, der Auserwählte zu sein, dessen Mission darin besteht, die Stadt vom Sündenfall zu reinigen. Fortan beginnt er in militärischer Manier, seinen Körper zu stählen und sich mit Waffen auszurüsten.
Taxi Driver verhalf seinem jungen Regisseur Martin Scorsese und dessen Hauptdarsteller Robert de Niro 1976 auf Anhieb zu Weltruhm. Das melancholisch düstere Werk des späten New Hollywood-Kinos ist als Ausdruck gesellschaftlicher und individueller Entfremdung ein atmosphärisches Zeitdokument der Post-Vietnam- und Hippie-Ära. Wie das Taxi über die Straßen gleitet die Kamera über Schauplätze und zeigt vornehmlich die Oberflächen der Stadt New York. Lange fließende Einstellungen, langsame Schwenks, deren Bewegungen ins nächste Bild fortgesetzt werden, Überblendungen und die Musik von Bernard Herrmann erzeugen eine melancholische Stimmung, die ohne dramatische Zuspitzung in ihre Entladung – den finalen Showdown – mündet. Wie eine Maschine bewegt sich der mordende Bickle unvermittelt, aber nicht unerwartet, durchs Bild. Nach der Tat wird der Raum wie ein Stillleben inszeniert: ein Wachsfigurenkabinett, ein Sarg. Neben der Frage nach der Darstellbarkeit von Gewalt im Film, die gerade wegen ihrer uneindeutigen psychologischen Erklärbarkeit aufgegriffen werden sollte, bietet
Taxi Driver vielfältige Möglichkeiten, ästhetische und genrebezogene Themen zu bearbeiten.
Autor/in: Vision Kino, 29.09.2006