Afghanistan, März 2001: Unter einem Aufschrei der Entrüstung in der westlichen Welt werden auf Anordnung der herrschenden Taliban im abgelegenen Tal von Bamiyan zwei riesige in Stein gehauene Buddha-Statuen aus dem sechsten Jahrhundert in die Luft gesprengt. Zwei Jahre später begibt sich Regisseur Christian Frei auf eine Reise, um jenseits der Nachrichtenaktualität die weit reichende Bedeutung dieser symbolträchtigen Handlung für das individuelle und kollektive Bewusstsein von vergangener wie gegenwärtiger Kultur, Religion und Identität zu erfassen.
Aufwändig recherchierte Materialien und selbst gedrehte Episoden werden über diverse Handlungsstränge und Erzählebenen spannend, unterhaltsam und nicht ohne Suggestion zusammengeführt. Dabei verbindet die essayistische Form Elemente des ethnografischen Reisefilms mit Elementen der journalistischen Reportage. Den Erzählfaden bilden die Reisetagebücher des chinesischen Wandermönchs Xuanzang sowie die eingesprochenen Briefe der im Exil lebenden, schließlich nach Bamiyan zurückkehrenden afghanischen Schriftstellerin Nelofer Pazira.Die poetisch-meditative, zugleich Sachinformationen vermittelnde filmische Adaption eines aus den Nachrichten (noch) vertrauten Themas bietet für die medienpädagogische Arbeit vielfältige Anknüpfungspunkte. So lässt sich die Komplexität des Problems der Bilderstürmerei unter Einschluss bislang fremder kultureller, religiöser und politischer Perspektiven diskutieren. Die hohe symbolische Bedeutung der spannend vermittelten Statuen-Zerstörung als unwiederbringlicher Verlust von "Weltkulturerbe" eröffnet zudem vielfältige Möglichkeiten einer Auseinandersetzung mit den humanen Werten von Religion und Kultur.
Autor/in: Vision Kino, 29.09.2006