Statt nach einem Manöver in die Kaserne zurückzukehren, fährt der 19-jährige Rekrut Paul unerlaubt nach Hause in den Bungalow seiner abwesenden Eltern. Unerwartet taucht dort auch der ältere Bruder Max mit seiner dänischen Freundin Lene auf. Alte Rivalitäten zwischen den beiden Brüdern brechen wieder auf und verstärken sich, als Paul sich in die Dänin verliebt. Unterdessen versuchen Feldjäger der Bundeswehr, Paul in dem nordhessischen Ort ausfindig zu machen. – Ulrich Köhler verweigert sich in seinem Debütspielfilm jeder Psychologisierung oder gar Erklärung von Pauls Verhalten. Es gibt keinen Soundtrack, der die Gefühlswelt der Figuren charakterisieren könnte, der Inszenierungsstil ist lakonisch und sparsam, selbst die schwelenden Konflikte zwischen den drei Hauptfiguren, die sich gegen Ende hin dramatisch zuspitzen, werden alles andere als dialoglastig ausgetragen. Von Pauls Vergangenheit erfährt man nicht viel mehr, als der mondäne Bungalow mit Swimmingpool und ein kurzer Besuch bei einer Freundin, die ihm den Laufpass gibt, verraten, die Gegenwart scheint stillzustehen und eine Zukunft ist nicht zu erkennen. Im perfekten Zusammenspiel dieser Elemente gelingt dem Regisseur allerdings das packende und authentisch wirkende Portrait eines Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsensein, der selbst nicht weiß, wohin die Reise gehen wird. Profi-Skater und Laiendarsteller Lennie Burmeister verleiht dieser Figur hinter der Fassade eine glaubwürdige Tiefe.
Autor/in: Holger Twele, 01.02.2003