Mitten im Kalten Krieg befiehlt General Jack D. Ripper im Alleingang den nuklearen Angriff auf die Sowjetunion. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, denn die B52-Bomber, die sofort ihr Ziel ins Visier nehmen, lassen sich nicht mehr zurückrufen. Der viel zu spät informierte Präsident versucht nun in einem Telefongespräch mit dem russischen Staatsoberhaupt, die prekäre Situation zu lösen. Dabei erfährt er von der Weltzerstörungsmaschine, die im Falle eines Atomschlags gegen Russland alles menschliche und tierische Leben auf der Erde auslöscht.
Dramaturgie und visuelle Ästhetik von
Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben werden von sexuellen männlichen (Macht-)Fantasien getragen. Nicht nur die Namen der Männer, etwa "Jack D. Ripper", verweisen auf den Zusammenhang zwischen Gewalt und Sexualität: Bereits am Filmanfang bewegen sich die Kriegsflugzeuge in phallischem Rhythmus zu dem Lied "Try a little Tenderness". In dieser bitterbösen Satire auf die Ideologie der atomaren Abschreckung, die die gesamte Nachkriegszeit bis hinein in die 1970er-Jahre beherrschte, zieht Kubrick alle filmästhetischen Register des Genres: Anspielungen auf den historischen Kontext und dessen Übertreibung, der Kontrast zwischen Bildinhalt und der eingesetzten Musik, die Namen der Protagonisten und die verzerrten Perspektiven, in denen der Film sie darstellt. Schwarzer Humor und abgründiger Zynismus sind allgegenwärtig. Als einer der amerikanischen B52-Bomber sein Ziel erreicht, reitet der Pilot Major Kong wie ein amerikanischer Münchhausen mit Cowboyhut jubelnd auf einer abgeworfene Atombombe in den sicheren Tod.
Autor/in: Vision Kino, 22.10.2006