Mitten in der Bergwelt der österreichischen Hochalpen schlägt ein glühender Meteorit in einen Gletscher ein und erweckt einen im Eis eingefrorenen Neandertalerjungen zu neuem Leben. Dieser Junge, Bataa, begegnet dem Hamburger Großstadtkind Sophie, die mit ihrem Vater und der ungeliebten Stiefmutter in spe den Urlaub in den Bergen verbringt und von einer Ferienhütte ausgerissen ist. Schon bald entdecken die durch Sprache und Zeit Getrennten die ersten Gemeinsamkeiten: Sophie hat ihre Mutter verloren, und auch Bataa fühlt sich von seiner längst gestorbenen Familie verlassen. Die Freundschaft zu Bataa hilft Sophie schließlich, den Tod der Mutter zu bewältigen, während sie Bataa dabei behilflich ist, zu seinen Ahnen zurückzukehren.
Die Tonebene des Films lässt die zivilisierte Welt unnatürlich laut und zerstörerisch wirken, während die Bilder weitgehend einen unberührten, idyllischen Naturraum zeigen. Durch seinen treffenden Humor, der sich sprachlich und in einer intelligenten Bildmontage ausdrückt, umgeht der Film die Gefahr, bei der Darstellung des Anderen oder Fremden in bloße Klischees zu verfallen. Als Gegenspieler der Kinder fungieren die beiden Neandertaler-Forscher Czerny und Heckl, die mit bissiger Ironie in ihren Rollen als "Mad Professors" vorgeführt werden.
Lapislazuli – Im Auge des Bären erzählt auf teilweise verschnörkelten Wegen aber ohne Ballast und Kitsch von Freundschaft, Identität, Zugehörigkeit und vom Tod. Die Begegnung mit dem "Anderen" lässt die Kinder neue Erfahrungen machen und alte Probleme überwinden. Im Angesicht des Fremden – als Spiegel unserer Welt – ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, über die Aufgaben und Grenzen der Wissenschaft und die Errungenschaften der Zivilisation nachzudenken.
Autor/in: Vision Kino, 29.09.2006