Die 11-jährige Paloma lebt mit ihrer Familie in einer großzügigen Wohnung mitten in Paris. Weil sich das hochintelligente Mädchen weder von den viel beschäftigten Eltern noch von ihrer Schwester verstanden fühlt, beschließt sie, sich an ihrem nächsten Geburtstag das Leben zu nehmen. Im gleichen Haus lebt auch die mürrische Concierge Madame Michel. Unerwartet entwickelt sich zwischen der abweisenden Frau und Paloma eine Freundschaft.
Die Filmadaption von Mona Achache beruht auf Muriel Barberys Bestsellerroman
Die Eleganz des Igels (2008). Stilsicher wird eine liebenswerte Außenseitergeschichte erzählt, die durch Film-im-Film-Elemente eine ironisch reflexive Ebene gewinnt: Bewaffnet mir einer Digitalkamera dokumentiert Paloma die Geschehnisse um sie herum, die sie zudem im
Voice-Over spöttisch kommentiert. Ihr ruppiger Sarkasmus kann jedoch nicht über ihre innere Isolation hinwegtäuschen. Auch Madame Michel verbirgt ihre Verletzlichkeit und ihr wahres "elegantes" Wesen vor der Außenwelt. Mit ruhigen stimmungsvollen Bildern, hier und da zurückhaltend untermalt von
Klaviermusik, hat Regisseurin Mona Achache die Begegnung dieser beiden "eingeigelten" Individualistinnen in Szene gesetzt. Entstanden ist eine fantasievolle Hommage an die Freundschaft, das Leben und die Besonderheit jedes einzelnen Menschen.
Humorvoll und visuell ansprechend führt der Film seine junge Protagonistin durch eine existenzielle Lebenskrise, die sie am Ende konstruktiv bewältigt. Im Unterricht bieten sich deshalb gute Möglichkeiten, Fragestellungen nach familiären Konstellationen und Rollenbildern aufzugreifen. Selbstfindung und das Bestreben, seinen eigenen Platz im Leben zu finden, Prozesse, die für die Entwicklung Heranwachsender relevant sind, können ebenfalls bearbeitet werden. Auch schwierige Themen wie Entfremdung, Selbsttötung, Tod und Trauer werden im Film unbefangen angesprochen und können im Unterricht reflektiert und vertieft werden. Auf filmästhetischer Ebene lässt sich die visuelle Gestaltung analysieren, vor allem die dramaturgische und inhaltliche Funktion der Film-im-Film-Szenen.
Autor/in: Ula Brunner, 04.05.2010
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