Ausstellung
Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker
25.01.2008 bis 21.04.2008, Berlin
Beschreibung
Der Martin-Gropius-Bau zeigt im Frühjahr 2008 eine Ausstellung über den bayrischen Komiker, Kabarettist, Autor und Filmproduzenten Karl Valentin.
Karl Valentin, der als Valentin Ludwig Fey 1882 geboren wurde, verfügte bereits als Kind über beachtliches künstlerisches und handwerkliches Talent. In jeder seiner Wohnungen installierte er eine Werkstatt, in der er seine Bühnenrequisiten selbst herstellte. Diese Technik-Obsession, sichtbar in produktiven Objektverwandlungen bzw. Zweckentfremdungen von Handwerkszeug und Requisiten, durchzieht seine gesamte Werkgeschichte. Sie findet sich in der Film und Bühne multimedial verbindenden Inszenierung Der Flug zum Mond im Raketenflugzeug (1928), in Stummfilmen wie Der neue Schreibtisch (1913), Die Mysterien eines Frisiersalons (1923) und der Performance-Tonfilminszenierung In der Schreinerwerkstatt (1928).
Trotz seiner Liebe zur Bühne galt von Anfang an Valentins ganz besondere Vorliebe dem Film. Handwerkliches Geschick wie auch das Interesse für die damals neuen Kommunikationsmittel Telefon, Film und Rundfunk führten 1912 zur Gründung einer eignen Filmgesellschaft. So drehte er – noch vor Charles Chaplins Regiedebüt – seinen ersten Film Valentins Hochzeit. Bis 1937 folgten über 30 weitere Produktionen, u.a. der in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandene surrealistische Film Die Mysterien eines Frisiersalons (1922) sowie Im Photoatelier (1932), Der verhexte Scheinwerfer (1934) und Der Antennendraht (1937).
Liest man die Filmkarriere Valentins aus seinen Rollenporträts, so debütierte er als "lebende Karikatur" auf der Leinwand und verabschiedete sich als verelendeter Lumpenproletarier. Vom dürren Dandy mit Strohhut in Valentins Hochzeit (1912) bis zum arbeitslosen Lumpensammler im schlotternden Mantel in Die Erbschaft (1936) reicht das Repertoire seiner Figuren: ein Lebenslauf in absteigender Linie mit Korrespondenzen zu seiner eigenen Biografie.
Die Ausstellung entfernt sich bewusst von der biographisch fundierten Annäherung an Valentin als regional geprägter Volkssänger und Bühnenkomiker. Im Zentrum steht der komplexe Medienbezug seines Werks. Karl Valentins groteske Bühnen-, Film- und Sprachwelt, sein experimentelles, komisches Spiel mit Medieneffekten wird mit über 300 Exponaten illustriert. Zu sehen sind Fotos, Original-Handschriften, Typoskripte, Briefe, Zeichnungen, Plakate, Lichtbilder, Schallplatten und Filme.
Die Ausstellung des Filmmuseums Düsseldorf und des Deutschen Filmmuseums Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn wird veranstaltet von den Berliner Festspielen und dem Deutschen Filminstitut - DIF e.V./ Deutschen Filmmuseum.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 10–20 Uhr.
Zusätzlich ist am Dienstag nach Ostern, 25. März 2008, geöffnet.