filmpädagogische Kinovorstellung, Lehrerfortbildung
Le’an Ne’elam Daniel Wax
im Rahmen der Film- und Veranstaltungsreihe IM AUFBAU. ISRAELISCHES KINO. EINE RETROSPEKTIVE
10.05.2008 21:00, Berlin
Beschreibung
Anlässlich des 60. Jahrestages der Staatsgründung Israels präsentiert das Zeughauskino/ Deutsches Historisches Museum Berlin (DHM) und die Jerusalem Cinematheque - Israel Film Archive in Kooperation mit der Bundeszentrale für poltische Bildung (bpb) eine Retrospektive des israelischen Films. Nach der Eröffnung der Filmreihe im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums in Berlin wandert das Programm anschließend durch zahlreiche bundesdeutsche Kinos.
In der Retrospektive mit Arbeiten aus den 1950er bis 1970er Jahren sind Filme zu entdecken, die fast schon als verloren gelten mussten und jetzt dank der Zusammenarbeit vieler Partner in Israel und Deutschland mit neuen Kopien auf die Leinwand kommen. Werke, die hier kaum je zu sehen waren, stehen für eine Binnensicht auf ein Land, dessen Bild uns durch seine Omnipräsenz in den Tagesmedien allzu sehr verstellt ist. IM AUFBAU zeigt die ersten Schritte eines Filmlandes, das unter schwierigen Bedingungen Erstaunliches zuwege gebracht hat. Das Filmprogramm wird ergänzt um eine Reihe von Vorträgen und Gesprächen, die sich mit dem kulturellen und historischen Entstehungskontext der Filme befassen.
Am 10. Mai wird nach einer Einführung von Lihi Nagler der Film Le’an Ne’elam Daniel Wax (But Where Is Daniel Wax, Israel, 1972) in der Originalfassung mit englischen Untertiteln gezeigt:
Längst sind Reisen in ferne Länder für Israelis so normal geworden wie das Leben im Ausland. In den siebziger Jahren hingegen war ein Flug nach Amerika noch ein exklusives Vergnügen, und Abwanderung hatte etwas von Verrat. Wer aber seinen Weg in Übersee gemacht hatte, konnte sich der Bewunderung seiner Landsleute sicher sein. Nach Jahren in den USA kehrt der Sänger Shpitz für einen Besuch nach Israel zurück. Mit Lipkin, einst sein Jugendfreund und mittlerweile Arzt, und wie Shpitz in einer Sinnkrise, lässt er Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit Revue passieren. Ihre Gespräche kreisen vor allem um Daniel Wax – das Idol ihres Abiturjahrganges. Mehr und mehr wird Shpitz' Besuch zu einer obsessiven Suche nach dem auf mysteriöse Weise verschwundenen Klassenkameraden. Immer enger zieht der Film seine Kreise um die Leerstelle in seinem Zentrum. Auf seiner Reise quer durch Israel muss der erfolgsverwöhnte Protagonist schmerzlich begreifen, dass die unbeschwerte Jugendzeit unwiderruflich vorüber ist.
Das melancholische Roadmovie nimmt, obzwar bereits 1972 gedreht, die Stimmung der Zeit nach dem Yom-Kippur-Krieg ahnungsvoll vorweg. Heffners erster langer Film, überwiegend mit Laiendarstellern gedreht, macht einen tiefgreifenden Prozess der Ernüchterung spürbar, und der Verlust der Illusionen, mit dem die Protagonisten in der Mitte ihres Lebens zurechtkommen müssen, lässt sich ebenso als eine Metapher auf die in die Jahre gekommene israelische Gesellschaft lesen. Jugendlicher Schwung und ein Gefühl von Gemeinschaft, die in den Aufbaujahren ein Gefühl von Sicherheit gegeben hatten, sind Nachdenklichkeit und Zweifeln gewichen, und wie bei Shpitz werden hinter der Fassade zur Schau getragener Selbstsicherheit tiefe Risse deutlich sichtbar.
Die Film- und Veranstaltungsreihe wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Filmwissenschaft der FU Berlin und gefördert vom Hauptstadtkulturfonds, dem Bundesarchiv-Filmarchiv, der Botschaft des Staates Israel, dem Israel Film Fund, der Rabinovich Foundation und dem Forum for the Preservation of Audio-Visual Memory in Israel.