Bildungsrelevant, weil der Animationsfilm in poetischen Bildern über Identität, Erinnerungen und Beziehungen erzählt und dabei stets spielerisch und leicht zugänglich bleibt.

Die Geschichte: Ein Kind entdeckt das Leben

Zweieinhalb Jahre lang hat Amélie sich kaum bewegt. Die Tochter einer in Japan lebenden Diplomatenfamilie aus Belgien wurde von Ärzten bereits abgeschrieben, bis ihre Großmutter ihr eines Tages ein Stück Schokolade anbietet. Auf einmal erwacht das Kind und beginnt, in Windeseile alles nachzuholen: Amélie steht auf, geht, rennt, spricht – und ist so wild und ungestüm, dass die barsche Besitzerin des Hauses der Familie die Haushälterin Nishio-san empfiehlt. Nishio-san und Amélie werden schnell ein Herz und eine Seele. Liebevoll kümmert sich die junge Frau um das Mädchen, zeigt ihm die Welt und nimmt es mit zu traditionellen Feierlichkeiten. Nach und nach verändert sich Amélie. Hat sie sich anfangs für Gott und den Mittelpunkt des Universums gehalten, begreift sie allmählich, dass sie ein Teil der Gemeinschaft ist.

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Filmische Umsetzung: Eintauchen in die Gedankenwelt eines Kleinkinds

Konsequent übernimmt der auf dem autobiografischen Roman Metaphysik der Röhren von Amélie Nothomb (Glossar: Zum Inhalt: Adaption) beruhende Zum Inhalt: Animationsfilm die Perspektive des Kleinkinds. Damit steht er in der Tradition des Zum externen Inhalt: magischen Realismus (öffnet im neuen Tab), in dem die greifbare und die imaginierte Welt fließend ineinander übergehen. Der flächige Zeichenstil hat eine malerische Qualität und charakterisiert sich insbesondere durch den Verzicht auf Konturen. In seiner visuellen Gestaltung zeigt der Film damit ebenso eine Welt, in der starre Grenzen aufgelöst werden und kein Teil streng isoliert von seiner Umwelt betrachtet werden kann. Zugleich greift die Ästhetik das Leitthema des Films auf, Erinnerungen sichtbar zu machen, etwa wenn ein auf ein beschlagenes Fenster gemaltes Kanji-Schriftzeichen, das verblasst ist, durch Amélies Anhauchen wieder auftaucht. Durch den von einem Kind gesprochenen Zum Inhalt: Voiceover-Kommentar macht der Film unterdessen stets Amélies Gedanken hörbar.

Das Thema: Wer bin ich und was macht mich aus?

Zu Beginn des Films beschreibt Amélie sich als Röhre, die alles nur durchschleust und sich sehr gleichgültig verhält. Doch im Laufe des Films wächst ihr Wunsch, Erinnerungen zu bewahren. Auf leicht zugängliche Art erzählt der Film darüber, wie Menschen durch Erfahrungen geformt werden. Dabei spielen insbesondere auch Beziehungen zu anderen Menschen eine wichtige Rolle. Durch Nishio-san erfährt Amélie Liebe und ein Gefühl der Zugehörigkeit, was sie in der Folge auch kulturell prägt. Zugleich erweitert der Film das Thema Erinnerung und Vergessen anhand der Geschichten mehrerer Nebenfiguren: Sowohl die Haushälterin Nishio-san als auch die japanische Hausbesitzerin leiden unter dem Verlust von Familienangehörigen im Zweiten Weltkrieg, im Laufe des Films stirbt zudem Amélies Großmutter. Damit rückt immer wieder die Frage in den Raum: Was bleibt, wenn ein geliebter Mensch verschwindet?

Fragen für ein Filmgespräch

  • Fasse die Entwicklung von Amélie im Laufe des Films in drei Sätzen zusammen.

  • Nishio-san zeigt Amélie in einer Zum Inhalt: Szene das japanische Schriftzeichen für Regen. Welche Bedeutung hat das Zeigen des Zeichens für Amélie?

  • Beschreibe die Gestaltung der Bilder. Wie wirken diese auf dich? Achte etwa auf die Wahl der Farben (Glossar: Zum Inhalt: Farbgestaltung), die Leuchtkraft der Farben und wie die Figuren vom Hintergrund getrennt werden.

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