Das Ruhrgebiet in den 1960er-Jahren: Seine Sommerferien hat sich der 12-jährige Julian anders vorgestellt. Weil Mutter Liesel mit seiner Schwester ans Meer gefahren ist – "Wat Seelisches" erklärt Vater Walter –, muss er nun zu Hause den Haushalt schmeißen, denn sein Vater schuftet als Bergmann unter Tage. Ein richtiger Knochenjob. Wenn Julian Zeit hat, schnappt er sich den Fotoapparat des Vermieters und erkundet die Siedlung. Ob er diesen Sommer endlich Teil der Jungengang wird, denen er heimlich Bier und Zigaretten beschafft? Oder vielleicht sogar seinen ersten Kuss bekommt? Warum sonst sollte Marusha, die drei Jahre ältere Nachbarstochter, beim Umziehen manchmal das Fenster offen lassen …
Mit dem unschuldigen wie neugierigen Blick seiner Hauptfigur führt
Junges Licht in die schroffe Welt einer Arbeitersiedlung in den 1960er-Jahren ein. Regisseur Adolf Winkelmann hat Ralf Rothmanns gleichnamige Romanvorlage als Mischung aus feinfühliger
Coming-of-Age-Komödie und differenzierter Milieustudie
adaptiert. Unaufgeregt wechseln sich die nostalgischen
Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit kurzen Farbsequenzen ab, auch die Bilder springen zwischen
Cinemascope und einem fernsehähnlichen, nahezu quadratischen Format. Derbe Situationskomik und Anflüge von Gewalt begleiten Julians Alltagsbeobachtungen. Auch in den stilisierten Aufnahmen der Industrielandschaft spiegelt sich das Ruhrgebiet als widersprüchliche Region wider, die einerseits Motor für das Wirtschaftswunder und Sinnbild des Fortschritts war, in der die Arbeiterfamilien jedoch unter einfachen Bedingungen lebten.
Junges Licht, Trailer (© Weltkino)
Zur Vertiefung der Themen können sich die Schüler/-innen über das gesellschaftliche Klima in Nachkriegsdeutschland sowie über die Anfänge des Bergbaus im Ruhrgebiet informieren. Mit Blick auf die massiven Veränderungen in der Region durch den Strukturwandel sollte auch die wirtschaftliche Bedeutung der Kohle diskutiert werden. Ergänzend kann ein Klassenausflug in ein Bergbau- oder Technikmuseum unmittelbare Eindrücke der Arbeit unter Tage vermitteln. In Deutsch oder Kunst sollte zudem auf die filmische Inszenierung der Buchvorlage eingegangen werden. Hier können die Schüler/-innen etwa die Wirkung von auffälligen Gestaltungsmitteln wie dem Wechsel von Farb- und Schwarz-Weiß-Bildern erörtern. Interessant ist auch die Frage, inwiefern die realen
Drehorte, der Dialekt und der schroffe Ruhrpott-Humor zur Authentizität des Films beitragen.
Autor/in: Ruža Renic, 11.05.2016
Mehr zum Thema auf kinofenster.de:
Weitere Texte finden Sie mit unserer Suchfunktion.