Mit Rollen in den Serien "Game of Thrones" (David Benioff, D.B. Weiss, USA 2011–2019) und "The Last of Us" (Craig Mazin, Neil Drukcmann, USA 2023 ff) wurde Bella Ramsey, 2003 in Nottingham geboren, bekannt. In George Jaques' Zum Inhalt: Coming-of-Age-Film Zum Filmarchiv: "Sunny Dancer" (GB 2026) spielt Ramsay die zurückhaltende Ivy, die in einem Sommercamp Freundschaft, erste Liebe und Verlust erlebt.

kinofenster.de: Nach großen Produktionen wie "The Last of Us" wirkt "Sunny Dancer" klein, intim und sehr persönlich. Was hat Sie an diesem Projekt gereizt?
Bella Ramsey: Genau das. Nach den vergangenen Jahren fühlte sich dieser Film wie eine weiche Landung an. George Jaques hat eine Atmosphäre geschaffen, in der man nicht ständig funktionieren musste. Ich wusste schon vor Drehbeginn, dass diese sechs Wochen in Schottland eher eine Erfahrung als ein Job werden würden. "Sunny Dancer" hat mich daran erinnert, dass Filme einem auch etwas geben können, statt einem ständig etwas abzuverlangen. Am Ende jedes Drehtages war ich nicht erschöpft, sondern erfüllt. Das passiert nicht oft.

kinofenster.de: Der Film spielt in einem Sommercamp. Hatte der Dreh tatsächlich etwas von Ferien?
Bella Ramsey: Wir hatten schon vor Drehbeginn eine Probenwoche. Wir haben Flöße gebaut, Kajakfahren geübt und Zeit miteinander verbracht. Eigentlich sollte das Floßbauen sogar im Film vorkommen, aber wir waren offenbar so schlecht darin, dass es am Ende herausgeschnitten wurde. Trotzdem war diese Woche unglaublich wichtig. Sie war wie ein kleines Sommercamp vor dem eigentlichen Sommercamp. Danach haben wir sechs Wochen gedreht. Irgendwann fühlte es sich überhaupt nicht mehr wie Arbeit an. Es war einfach unser Leben für diesen Sommer.

kinofenster.de: Die Chemie zwischen den Jugendlichen im Film wirkt außergewöhnlich natürlich. Wie haben Sie das hinbekommen?
Bella Ramsey: Weil sie echt war. Wir mussten nichts spielen. George und die Casting-Direktorinnen haben etwas geschafft, das ich vorher nie so bewusst wahrgenommen habe. Casting bedeutet eben nicht nur, gute Schauspielerinnen und Schauspieler zu finden, sondern Menschen, deren Persönlichkeiten zueinander passen. Es ist fast wie Partnervermittlung – nur für eine ganze Gruppe.

kinofenster.de: Ivy ist keine klassische Heldin. Gerade ihre Normalität scheint sie besonders zu machen.
Bella Ramsey: Das war tatsächlich die größte Herausforderung. Auf den ersten Blick wirkt Ivy wie ein ganz normaler Teenager. Ironischerweise war genau das neu für mich. Ich habe früh angefangen zu arbeiten und meine Jugend anders erlebt als viele Gleichaltrige. Schon als Kind habe ich lieber Zeit mit Erwachsenen verbracht und mir sogar vorgenommen, nie ein typischer Teenager zu werden. Während des Drehs durfte ich das plötzlich nachholen. Laut sein, albern sein, impulsiv reagieren – das war unglaublich befreiend.

kinofenster.de: Hat sich Ihr Bild vom Teenagersein dadurch verändert?
Bella Ramsey: Ja. Ich dachte immer, Jugendliche seien vor allem anstrengend. Während des Drehs habe ich erlebt, wie viel Spaß es macht, nicht alles zu kontrollieren. Diese Energie, diese Unmittelbarkeit und auch die Widersprüchlichkeit der Gefühle haben mir großen Spaß gemacht. Ich würde mein eigenes Leben nicht ändern wollen. Aber Ivy hat mir eine Erfahrung ermöglicht, die ich sonst nie gemacht hätte.

kinofenster.de: Obwohl der Film auch von Krankheit und Verlust erzählt, wirkt er nie schwer oder belehrend.
Bella Ramsey: Das liebe ich an ihm. Es gibt keine Botschaft, die einem laut entgegengerufen wird. Der Film erzählt einfach von diesen jungen Leuten und vertraut darauf, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer ihre eigenen Gefühle entwickeln. Alles, was man mitnimmt, entsteht auf emotionaler Ebene und nicht, weil einem etwas erklärt wird.

kinofenster.de: Gibt es eine Zum Inhalt: Szene, die für Sie den Kern des Films besonders gut einfängt?
Bella Ramsey: Die Rede von Ivys Mutter über Trauer am Ende des Films. Darin steckt so viel Wahrheit – nicht nur über Verlust, sondern über das Leben überhaupt. Da gibt es diese Momente, in denen beschrieben wird, dass manche Tage einen einfach umhauen. Solche Sätze wirken nicht wie Lebensweisheiten. Sie entstehen selbstverständlich aus den Figuren heraus.

kinofenster.de: Was wünschen Sie sich, dass das Publikum aus "Sunny Dancer "mitnimmt?
Bella Ramsey: Ich hoffe, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer dieselbe Freude spüren, die wir beim Drehen hatten. Natürlich erzählt der Film auch von Trauer und Verlust. Aber vor allem erzählt er davon, wie Menschen einander begegnen und sich gegenseitig verändern können. Ich wünsche mir, dass das Publikum den Kinosaal nicht mit einer fertigen Botschaft verlässt, sondern mit einem Gefühl.