Bildungsrelevant, weil in Form eines populären Formats Bezug auf gegenwärtige gesellschaftliche Diskurse wie Rassismus und Diskriminierung genommen wird.

Die Geschichte: Die Polizei sprengt eine harmlose Garagenparty

Die ordnungsliebende Nachbarschaft ist empört: In der Garage nebenan wird ausgelassen zu lauter Musik gefeiert. Während die Ehefrau eines Nachbarn interessiert zuhört, ist dieser außer sich und ruft die Polizei. Brutal wird die Band um Rapper A$AP Rocky zum Polizeiauto geführt. Doch anlasten kann man den Musikern nichts. Als die Nachbarin der Band schließlich noch Kekse vorbeibringt, reicht es ihrem Mann. Wütend prügelt er auf die Band ein, die danach auf eine Polizeistation gebracht wird. Noch einmal kommt die Nachbarin ins Spiel – mit Taschen voller Geld für die Freilassung auf Kaution. Als sie nach einem Konzert vor der Garage mit Rocky nach Hause geht, rastet ihr Mann erneut aus. Rocky flieht – und landet schließlich in einem Polizeiauto, aus dem er sich mit einem absurden Stunt befreit.

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Filmische Umsetzung: Surrealistische Effekte im Rhythmus der Beats

Das Musikvideo "Punk Rocky" vermischt narrative und performative Elemente. Gebrochen wird die Narration immer wieder durch experimentelle Effekte (Glossar: Zum Inhalt: Spezialeffekt) wie Zum externen Inhalt: Loops (öffnet im neuen Tab), Zum Inhalt: Jump Cuts oder Zeitrafferaufnahmen (Glossar: Zum Inhalt: Zeitraffer/Zeitlupe), die den Bildern in Verbindung mit den Beats der Musik einen eigenen Rhythmus verleihen. Der altmodisch anmutende Titelinsert (Glossar: Zum Inhalt: Vorspann/Abspann) nach der Zum Inhalt: Exposition erinnert an die Tex Avery-Cartoons der 1940er- und 1950er-Jahre – und was darauf folgt, ist dementsprechend eine wilde, stilistisch vielfältige Tour de Force, die neben Zum Inhalt: Zeichentrickfilmen etwa Bezüge zu Hollywoodproduktionen wie "Die üblichen Verdächtigen" ("The Usual Suspects", Bryan Singer, USA 2009) herstellt, Genremuster (Glossar: Zum Inhalt: Genre) durch Übertreibungen gezielt unterläuft und durch surreale Einfälle überrascht: So trägt Rocky etwa auffällige rosafarbene Lockenwickler, während sich am Platz seines rechten Auges ein zweiter singender Mund befindet. Grenzüberschreitungen finden sich auch auf popkultureller Ebene: der Rapper mutet wie ein Punk an.

Thema: Ein Musikvideo als gesellschaftskritischer Kommentar

"Punk Rocky" lässt sich als kritischer Kommentar auf die gegenwärtige politische Situation in den USA lesen. In Form einer betont überdreht inszenierten Geschichte stellt der Clip Rassismus und Diskriminierung zur Schau, wenn die weißen Nachbarn gemeinsam gegen ihren Schwarzen Nachbarn vorgehen. Stets wird in dem Clip Gewalt von weißen Männern – dem direkten Nachbarn, den anrückenden Polizisten – gegen Rocky und seine Band ausgeübt. Mit bitterem Witz entlarvt der Clip Themen wie Racial Profiling. Die Polizeigewalt wiederum wird als geldgierige, womöglich auch korrupte und überaus selbstverliebte Instanz inszeniert, die am Ende – wie die Tonebene andeutet – krachend gegen ein Hindernis fahren wird, während Rocky sich durch einen Schleudersitz aus dem Polizeiauto retten kann. Lösungen bietet der Clip nicht an. Er funktioniert vielmehr als satirische Zustandsbeschreibung einer Gesellschaft, die ihren Kompass verloren hat.

Kritische Aspekte

Der Videoclip zeigt diverse Gewalthandlungen gegen Schwarze Menschen.
Nicht unkontrovers ist der Auftritt des bekannten Hollywood-Komponisten Danny Elfman, dem sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wird.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Welche Zum Inhalt: Einstellungen oder Zum Inhalt: Szenen haben sich dir besonders eingebrannt? Beschreibe die jeweiligen Bilder und was du an diesen so besonders findest.

  • Interpretiere das Ende des Videoclips.

  • Vergleiche "Punk Rocky" mit dem Musikvideo Zum Filmarchiv: "This is America" (Hiro Murai, USA 2018) von Childisch Gambino. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den beiden Clips? Durch welche stilistischen Mittel üben sie jeweils Gesellschaftskritik?

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