Bildungsrelevant, weil "Rose" über eine historische Erzählung noch heute relevante Fragen zu Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Normen stellt.

Die Geschichte: Eine Cross-Dresserin im 17. Jahrhundert

In einem abgelegenen, protestantischen Dorf im Harz taucht nach dem Dreißigjährigen Krieg ein fremder Soldat auf und beansprucht als vermeintlicher Erbe ein verfallenes Gehöft. Trotz korrekter Dokumente begegnet die Dorfgemeinschaft dem Neuankömmling mit großem Misstrauen. Doch der "Sonderling" mit dem von einer Kriegsverletzung entstellten Gesicht erweist sich als arbeitsam, vermag das karge Land zu bestellen und die Tiere zu versorgen. Als er das Dorf auch noch vor der Bedrohung durch einen Bären rettet, scheint seine Akzeptanz vollends besiegelt. Der Großbauer bietet ihm Zugang zu seinen Ländereien und seine älteste Tochter, Suzanna, zur Frau an. Doch der Fremde ist nicht, wer er zu sein vorgibt: In Wahrheit heißt er Rose und ist eine Frau. In der Rolle als Ehemann fällt es ihr zunehmend schwer, ihren Betrug vor Suzanna zu verheimlichen.

Wenn Sie diesen Drittanbieter-Inhalt von www.youtube-nocookie.com aktivieren, ermöglichen Sie dem betreffenden Anbieter, Ihre Nutzungsdaten zu erheben. Weitere Informationen zur Nutzung von Drittanbieter-Inhalten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Externer Link: Datenschutzerklärung anzeigen

Filmische Umsetzung: Historisches Drama mit aktuellen Bezügen

Die Erzählung einer "Lands- und Leutebetrügerin" ist von historischen Gerichtsfällen inspiriert, in denen Frauen dafür verurteilt wurden, als Mann gelebt zu haben. Die Strenge der Inszenierung erinnert an thematisch verwandte, filmhistorische Vorbilder wie Carl Theodor Dreyers "Die Passion der Jungfrau von Orléans" ("La Passion de Jeanne d’Arc", FR 1928): Die von vielen statischen Zum Inhalt: Einstellungen in kontrastreichem Schwarz-Weiß (Glossar: Zum Inhalt: Farbgestaltung) geprägte Kameraarbeit betont das enge Normengerüst, in dem Rose versucht, ein freies Dasein zu führen; das beschwerliche Leben auf dem Land und die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges werden in eindrucksvollen Totalen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) deutlich. Das allwissende Zum Inhalt: Voiceover verleiht dem Publikum einen Wissensvorsprung gegenüber der Dorfgemeinschaft: Die Erzählerin bezeichnet Rose von Anfang an als "sie" und nennt sie bei ihrem weiblichen Vornamen – während ihr männlicher Name den Zuschauenden vorenthalten bleibt. Die von alten Ausdrucksweisen geprägte Sprache unterstützt das historische Setting, ohne die stets mitlaufende Frage nach der sozialen Konstruktion von Geschlecht als Problem der Vergangenheit zu markieren.

Das Thema: Freiheit finden in der patriarchalen Gesellschaft

"In der Hose war mehr Freiheit" – so begründet Rose ihren Entschluss, trotz der großen Gefahr, entdeckt zu werden, ein Leben als Mann zu führen. Dass sie dabei nicht als trans gelesen werden kann, macht die klare geschlechtliche Markierung durch das Voiceover deutlich. Was ein solcher, gut getarnter Lebensentwurf abseits der Norm vor allem Frauen historisch bieten konnte, zeigt auch die Figur der Suzanna: Als sie das Geheimnis entdeckt, wird ihre Angst vor den Konsequenzen schnell von der Aussicht auf die nie geahnten Möglichkeiten des Zusammenlebens mit einer Frau übertrumpft.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Welche Perspektive nimmt die Erzählerin ein? Wie prägt sie den Blick der Zuschauenden auf die verschiedenen Figuren und ihre Handlungen?

  • Wie entwickelt sich die Figur der Suzanna im Laufe des Films? Wie wirkt sich die Entdeckung von Roses Geheimnis auf sie aus, und warum entschließt sie sich, es zu schützen?

  • Roses Auftreten als Mann überzeugt die Dorfgemeinschaft lange. Welche Aussage über Geschlechterrollen steckt darin? Inwiefern lässt sich Roses Geschichte auf aktuelle gesellschaftliche Diskussionen beziehen?

Der Text ist lizenziert nach der Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Mehr zum Thema