Bildungsrelevant, weil das Musikvideo kunstvoll eine Geschichte über Gewalt in eine Tanzperformance überführt und dabei radikal den Blick auf Körpererfahrungen lenkt.

Die Geschichte: Gewalt in einem Jungeninternat der Zukunft

In Leeds im Jahr 2034 hat ein junger Mann in einem Jungeninternat das Sagen. Er randaliert, er drangsaliert, er kifft und prügelt, bestimmt, wann geredet und wann geschwiegen wird. Kurzum: Er ist der gefürchtete Star, der jegliche Herausforderungen übersteht. Auch ein unscheinbarer Mitschüler ist beeindruckt und schließt sich ihm an. Für ein kurzes Klopfen auf die Schulter lässt er sich sogar auf lebensgefährliche Mutproben ein. Dennoch kommt auch der starke Schüler, gespielt von Cloud-Rapper Yung Lean, nicht ohne Kratzer davon. Am Ende steht er ungerührt rauchend bei der Aufstellung für ein Klassenfoto mit blutverschmiertem Hemd inmitten einer wild tanzenden Gruppe.

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Filmische Umsetzung: Spielfilm und Tanzperformance

"STORM" lebt von seiner Dynamik und ist geprägt von schnell und schroff zum Rhythmus der Musik montierten Bildern (Glossar: Zum Inhalt: Montage), die mit einer unruhig geführten Handkamera (Glossar: Zum Inhalt: Kamerabewegungen) aufgenommen wurden. Damit spiegelt die Inszenierung treffend die rohe Aggression und das wilde Verhalten der jungen Männer. Auch wenn die Gewalt meist außerhalb des Bildkaders (Glossar: Zum Inhalt: Kadrage/Cadrage) stattfindet, verfehlt diese ihre Wirkung nicht. Mit seiner betont schmutzigen, unsauberen Bildästhetik setzt der Clip einen deutlichen Gegenpunkt zu glattgebügelten US-High-School-Filmen und lehnt sich eher an britische Klassiker wie "If …" ("if …", Lindsay Anderson, GB 1968) an – zumindest in der ersten Hälfte. Nach etwa viereinhalb Minuten Laufzeit erfolgt ein dramaturgischer Bruch. Die spielfilmartige Handlung geht über in eine in einem einzigen Take gefilmte Tanzperformance (Glossar: Zum Inhalt: Plansequenz), die von Damien Jalet choreografiert wurde.

Das Thema: Ambivalente Körpererfahrungen

Den Schulalltag am Internat blendet der vielbeachtete Clip des Multimediakollektivs Gener8ion ebenso aus wie sämtliche erwachsene Figuren. Was er jedoch zeigt, ist das Bedürfnis der jungen Männer, gegen Regeln und Autoritäten zu rebellieren und über die Stränge zu schlagen. Wie in "Fight Club" (David Fincher, USA 1999) ist dies eng mit Körperlichkeit und dem Wunsch verbunden, sich – auch durch Verletzungen – wieder (oder endlich) intensiver spüren zu können. Steht im ersten Teil Gewalt als Mittel der Körpererfahrung und Aushandlung von Beziehungen im Mittelpunkt, so sind es im zweiten Teil synchrone Tanzbewegungen, durch die ein Gefühl von Einheit entsteht. Insgesamt zeichnet der Clip somit ein durchweg ambivalentes Bild. Gewalt trennt und verbindet hier, ebenso wie der Tanz Energie und Verunsicherung, Gemeinschaft und Isolation in sich trägt. Der titelgebende Sturm kann dabei als Metapher für die Umwälzungen im Laufe des Erwachsenwerdens und die Schwierigkeiten, den Weg zu sich selbst und in die Gemeinschaft zu finden, verstanden werden.

Kritische Aspekte

Der Videoclip zeigt diverse Gewalthandlungen.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Welcher Teil des Musikvideos hinterlässt bei dir eine stärkere Wirkung? Der spielfilmartige erste Teil oder die Tanzperformance?

  • Wähle eine Zum Inhalt: Einstellung aus dem Musikvideo aus, die den Protagonisten und dessen Gefühlslage am besten auf den Punkt bringt. Beschreibe, was diese Einstellung für dich ausdrückt.

  • Vergleiche "STORM" mit anderen Musikvideos von Romain Gavras, zum Beispiel zum Song "Gosh" von Jamie xx. Welche thematischen und formalen Ähnlichkeiten kannst du erkennen?

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