Kategorie: Filmbesprechung + Arbeitsblatt
"Materia Prima – New Energy. Old Powers?"
Seltene Erden: In Bolivien lagern die größten Lithium-Vorkommen der Welt. Der Dokumentrafilm fragt, wer davon profitiert.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Dokumentarfilm globale Zusammenhänge bei der Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer geschichtlichen Kontinuität greifbar macht und zur kritischen Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen zwischen globalem Süden und Norden anregt.
Die Geschichte: Hoffnung und Gier
Bolivien ist reich an Bodenschätzen. Im 17. Jahrhundert lockten Gold und Silber die Europäer in das Andenreich der Inka, heute sind es Industrienationen, die nach Lithium, Kobalt, Kupfer und seltenen Erden für ihre Energiewende suchen. In der Region Potosí kennen die Menschen die negativen Folgen von Rohstoffabbau, sind aber in weiten Teilen für ihren Lebensunterhalt davon abhängig. "Materia Prima – New Energy. Old Powers?" zeichnet ein differenziertes Bild der Chancen und Risiken des erneuten internationalen Interesses an der Region. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Perspektiven der Menschen vor Ort. Exemplarisch zeigt der Zum Inhalt: Dokumentarfilm den Alltag eines jungen Minenarbeiters, besucht Treffen indigener Gemeinschaften und begleitet eine Delegation internationaler staatlicher und wirtschaftlicher Vertreter/-innen. Im Off hören wir Beiträge aus dem Radio, die mit der staatlich gesteuerten Ausbeutung von Lithium ein Wohlstandsversprechen verbinden. Der Film zeigt aber auch den Widerstand frauengeführter aktivistischer Gruppen oder die Sorgen von Lamahirt/-innen.
Filmische Umsetzung: Postkartenpanoramen, Off-Kommentar aus einer anderen Zeit
"Materia Prima" kontextualisiert die aktuellen Ereignisse durch Auszüge eines Briefes des Indigenen Felipe Guamán Poma de Ayala an den spanischen König Philipp III. im Off-Kommentar (Glossar: Zum Inhalt: Voiceover). Das historische Dokument aus dem beginnenden 17. Jahrhundert gilt als das einzige Zeitzeugnis aus einer indigenen Perspektive. Minimalistische Rhythmus-Elemente und sphärische Synthie-Effekte der iranischen Komponistin Atena Eshtiaghi (Glossar: Zum Inhalt: Filmmusik) halten die Spannung zwischen den Redebeiträgen der Protagonist/-innen. Durch die ruhigen, oft statischen Landschaftstotalen (Glossar: Zum Inhalt: Kameraperspektiven) gibt es Raum für Reflexion über die bestehenden Machtverhältnisse und die Beziehung von Mensch und Natur. Geräusche des Rohstoffabbaus bilden dabei einen bewussten Kontrast zu den imposanten Landschaftsaufnahmen.
Das Thema: Lithium – ein kritischer Rohstoff
Wer profitiert von dem neuen Rohstoffrausch in Bolivien? Welchen Preis hat die Energiewende global? Lassen sich postkoloniale Kontinuitäten durchbrechen und eine faire Globalisierung verwirklichen? Umweltzerstörung, Arbeitsunfälle und fehlende soziale Absicherung trotz schwerster Arbeit unter Tage – das sind die alltäglichen Erfahrungen der Menschen in Potosì. Dennoch sind viele Menschen für die Ausbeutung der großen Salzseen. Fehlende Perspektiven, Klimastress in der Landwirtschaft und Armut setzen insbesondere der jungen Generation zu. Neue Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung vor Ort überzeugen viele Menschen der Region trotz der Umweltschäden und Wasserknappheit. "Materia Prima" endet offen mit einem Hoffnungszeichen: Die indigenen Gemeinschaften können in erster gerichtlicher Instanz erwirken, dass sie ihr Recht auf Selbstbestimmung auch bei der Rohstoffausbeutung ausüben dürfen.
Fragen für ein Filmgespräch
Welche Parallelen macht der Film zwischen der Kolonialzeit und heute auf? Welche Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse bestehen fort?
Welche Bedeutung hat die Natur in der Kultur der indigenen Gemeinschaften? Warum ist ihnen das Recht auf Selbstbestimmung so wichtig?
Mit welchen filmästhetischen Mitteln kommentiert Filmemacher Jens Schanze den Rohstoffabbau in Bolivien? Wie wird seine Haltung deutlich?