Bildungsrelevant, weil der Film zeigt, wie jugendliche Identitätsbildung, Erinnerungskultur und politisch aufgeladene Erwartungen ineinandergreifen und Spannungen erzeugen.


Die Geschichte: Israelische Jugendliche besuchen Holocaust-Gedenkstätten

Omer, genannt Frisch, Nitzan und Ido gehören zu einer Delegation, die sich auf die obligatorische Polenrundreise israelischer Jugendlicher am Ende ihrer Schulzeit begibt. Sie besuchen ehemalige Orte jüdischen Lebens, Ghettostädte sowie die Vernichtungslager Majdanek, Treblinka und Auschwitz. Begleitet werden sie von Yosef, Frischs Großvater und Shoah-Überlebender. Unterwegs verkompliziert sich die Dreiecksbeziehung von Frisch, Nitzan und Ido: Frisch verliebt sich in Nitzan und wird zurückgewiesen, Ido entzieht sich ihr. Persönliche Sorgen und Krisen verdrängen zunehmend den offiziellen Erinnerungsauftrag. Frisch löst sich schließlich von der Gruppe, trampt allein nach Auschwitz und erlebt entgegen geschürten Erwartungen keinen offenen Antisemitismus. Die Spannung verdichtet sich, als Nitzan aus dem Lager Majdanek den Schuh eines Holocaustopfers an sich nimmt.

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Filmische Umsetzung: Coming-of-Age-Geschichte und Roadmovie

Wirkt "Delegation" zunächst fast dokumentarisch (Glossar: Zum Inhalt: Dokumentarfilm) durch die historischen Zum Inhalt: Drehorte, rückt im Verlauf der Geschichte zunehmend die subjektive Perspektive der Jugendlichen in den Mittelpunkt (Glossar: Zum Inhalt: Coming-of-Age-Filme). Die Zum Inhalt: Bildgestaltung ist zurückhaltend, häufig geprägt von winterlichen Landschaften. Während die Kamera meist nahe an den Jugendlichen bleibt (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) und so in konfliktreichen Situationen ihre Unsicherheit und Verletzbarkeit zeigt, öffnet sie sich an den Orten der Shoah und vermittelt durch Weite, Kälte und Licht den historischen Schrecken. Die Kälte wirkt dabei als visuelle Metapher für Gewalt und Ausgrenzung und legt sich über die Gegenwart der Jugendlichen. In seiner Struktur weist der Film Elemente eines Zum Inhalt: Roadmovies auf, da räumliche Bewegung mit inneren Suchprozessen verbunden ist.

Das Thema: Fragen nach Sichtbarkeit, Schutzbedürfnis und eigener Identität

"Delegation" erzählt vordergründig von der Begegnung israelischer Jugendlicher mit einem staatlich vorgegebenen erinnerungspolitischen Bildungsritual. Die Heranführung an die Geschichte ist dabei oft konfrontativ und emotional überwältigend: So drängt ein Guide die Gruppe einmal in einen Zugwaggon, damit sie unmittelbar erfährt, was Deportation bedeutet. Im Kontrast dazu stehen die stockenden Erinnerungen von Frischs Großvater, voller menschlicher Wärme, wie auch die Frage, was sich überhaupt weitergeben lässt. Die emotionalen Reaktionen der Jugendlichen wirken dabei zuweilen wie eine ritualisierte Anpassung an erinnerungspolitische Erwartungen, die Frisch als heuchlerisch bezeichnet. Zentral ist im Film zugleich das Thema der eigenen Identitätsfindung, das nicht nur vor dem Hintergrund der Reise, sondern auch in persönlichen Krisen an Stärke gewinnt. Dabei geraten die jungen Menschen in ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Sichtbarkeit und Sicherheit, etwa wenn sie Hoodies mit dem Davidstern als Zeichen ihrer israelisch-jüdischen Identität tragen und gleichzeitig von Schutzpersonal begleitet werden.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Welche äußeren Erwartungen an Gefühle und Verhalten prägen die Reise und wie reagieren die Protagonist/-innen Frisch, Nitzan und Ido individuell darauf?

  • Wie zeigt der Film durch die Zum Inhalt: Inszenierung, insbesondere der Figuren und Bilder, das Spannungsverhältnis zwischen persönlicher Erinnerung und kollektiver Erinnerungskultur?

  • Welche Bedeutung hat Frischs zeitweiser Ausstieg aus der Gruppe für sein Verständnis von Verantwortung und Erinnerung?

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