Kategorie: Filmbesprechung
"Abgedreht"
Be Kind Rewind
No tapes? No problem! Ein Videotheksmitarbeiter und sein chaotischer Freund werden mit selbst gedrehten Remakes von Hollywoodfilmen zu Stars.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil Michel Gondry mit Mut zur Albernheit spielerisch vorführt, wie handgemachte Filmtricks funktionieren, und dies mit einer Geschichte über Freundschaft und Solidarität verknüpft.
Die Geschichte: Vom Videothekenbetreiber zum Filmstar
Der Eckladen hat seine beste Zeit schon lange hinter sich. Das Gemäuer ist baufällig, das Geschäft mit VHS-Kassetten wurde zudem längst von DVDs abgelöst. Nur noch wenige treue Kund/-innen aus der Nachbarschaft suchen die Videothek von Elroy Fletcher auf. Während der alte Mann eine kurze Reise antritt und seinem jungen Angestellten Mike den Laden überlässt, droht neues Unheil in Person von dessen chaotischem Freund Jerry: Nachdem der beim Versuch, ein Kraftwerk zu sabotieren, am ganzen Körper magnetisiert wird, löscht er beim Betreten der Videothek durch seine "Ausstrahlung" versehentlich alle Filme auf den VHS-Bändern. Um das Missgeschick zu verbergen, beschließen Jerry und Mike, die zerstörten Filme selbst nachzudrehen. Mit einfachsten Tricks und der Unterstützung von Freund/-innen machen sie sich an die Arbeit – und werden schon bald zu Stars. Plötzlich wollen alle die "geschwedeten" Filme sehen. Und so müssen immer mehr produziert werden.
Filmische Umsetzung: Eine Hommage an Filmtricks
Schon zum Kinostart 2008 wirkte die Welt in Michel Gondrys Zum Inhalt: Komödie aus der Zeit gefallen: Der alten Videothek mit den VHS-Kassetten stellt der Film ein (damals) modernes Geschäft mit DVDs gegenüber, auf der musikalischen Ebene und in einer Nebenhandlung spielt Jazz eine große Rolle. Die nostalgischen Elemente unterstreichen den Status der Hauptfiguren als exzentrische, aber sympathische Außenseiter und Underdogs. Negativ gezeichnet sind hingegen die später auftauchenden Anwält/-innen und Behördenmitarbeiter/-innen, die gegen die "Plagiate" vorgehen wollen. Absurd-komische Zum Inhalt: Montagesequenzen zeigen unterdessen die Dreharbeiten von Mike und Jerry zu den Zum Inhalt: Remakes von Hollywood-Hits wie "Ghostbusters" (Ivan Reitman, USA 1984), die sie in Doppelfunktion als Zum Inhalt: Regisseure und Darsteller im rasenden Tempo und unter Einsatz selbst gemachter Zum Inhalt: Spezialeffekte, Perspektivtricks und Kulissen als kuriose No-Budget-Kurzversionen nachinszenieren.
Thema: Kreativität vs. Kommerz
Michel Gondry hat sich ab Mitte der 1980er-Jahre mit fantasievollen und stilistisch vielfältigen Musikvideos einen Namen gemacht. Dabei stach besonders seine Liebe für handgemachte Filmtricks und Animationen ins Auge. Mit einfachen Mitteln konnte Gondry überraschende Wirkungen erzielen. Dieses Faible für das Improvisierte, bewusst Unperfekte hat Gondry auch auf seinen Zum Inhalt: Spielfilm übertragen. Charmant wirken Jerrys und Mikes Filmversuche umso mehr, weil die Kreativität hier einen höheren Stellenwert hat als die Professionalität. Dadurch übt Gondry auch Kritik an der industriellen Filmproduktion. Er stellt sich auf die Seite der unabhängigen Filmschaffenden, die mit Freude Geschichten erzählen. Solidarität und das Gefühl, gemeinsam etwas geschaffen zu haben, was das Filmteam und sein Publikum glücklich macht, ist wichtiger als kommerzieller Erfolg.
Fragen für ein Filmgespräch
Wie wirken die "geschwedeten" Filme in "Abgedreht "auf euch? Warum sind diese im Film überraschend so erfolgreich?
Wie wird der Prozess des Filmedrehens gezeigt? Welche Kritik am Hollywood-Kino lässt sich daraus ablesen?
Vergleicht Abgedreht mit Musikvideos von Michel Gondry wie etwa "Björk: Bachelorette" (USA 1997) oderZum Filmarchiv: " Foo Fighters: Everlong" (USA 1997). Welche handgemachten Filmtricks wendet Gondry in diesen an?