Kategorie: Einleitung
Menschen- und Bürgerrechte im US-amerikanischen Kino
Das amerikanische Glücksversprechen und der Kampf um die Bürgerrechte: 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung und das US-Kino
Mit der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 jährt sich nicht nur zum 250. Mal das zentrale Datum auf dem Weg zur Gründung der USA, sondern auch eine historische Wegmarke der Demokratiegeschichte. Die in der Präambel formulierte Proklamation der Gleichheit aller Menschen, des unveräußerlichen Rechts auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück sowie der Verpflichtung des Staates, diese Rechte zu gewährleisten, bildet die Basis heute geltender Bürger- und Menschenrechte. Das Dossier versteht das Jubiläum als Auftrag an die Filmbildung. Ein Hintergrundtext betrachtet den Kampf um die Bürgerrechte in US-Filmen von den Anfängen Hollywoods bis heute, weitere Texte befragen das Thema nach seiner Aktualität. Denn die Voraussetzungen, unter denen ein Film wie Frank Capras Klassiker Zum Filmarchiv: "Mr. Smith geht nach Washington" ("Mr. Smith Goes to Washington", 1939) als demokratisches Lehrstück galt, haben sich verändert.
Von den Verfassungsvätern ignoriert und auch im Kino jahrzehntelang unterrepräsentiert, melden inzwischen indigene oder eingewanderte Gruppen sowie sexuelle Minderheiten ihre Rechte an. Zu lange wurde das Versprechen "All men are created equal" nicht eingelöst. Neben Besprechungen und Arbeitsblättern zu Klassikern, neuen Serien und Filmen, etwa John Singletons Black-Cinema-Meilenstein Zum Filmarchiv: "Boyz n the Hood" (1991), bietet das Dossier eine Analyse prägnanter Filmsequenzen zum Thema. In einer Liste ordnen wir jedem Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten – den sogenannten "Amendments" – einen thematisch passenden Film zu, etwa zur Rede- und Meinungsfreiheit oder zur sexuellen Selbstbestimmung, von "Die zwölf Geschworenen" ("12 Angry Men", Sidney Lumet, 1957) bis Zum Filmarchiv: "Selma" (Ava DuVernay, 2014).
Unsere Beispiele zeigen den fortlaufenden Kampf um die Bürgerrechte als Leitmotiv eines Kinos, in dem Selbstkritik und patriotische Selbstvergewisserung miteinander einhergehen, ja bedingen. Sie sind wertvolles Lehrmaterial in Zeiten von Autoritarismus und Demokratiegefährdung, die auch das Kino vor neue Herausforderungen stellen.