Kategorie: Filmbesprechung
"Mr. Smith geht nach Washington"
Mr Smith Goes to Washington
Frank Capras Klassiker: Ein naiver Idealist aus der Provinz wird als neu ernannter Senator mit dem rauen Politikbetrieb konfrontiert.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Film ein komplexes Bild der demokratischen Prozesse in den USA zeichnet und heute kritisch und differenziert diskutiert werden kann.
Die Geschichte: Ein naiver Idealist im Politikbetrieb
Jeff Smith, Vorsitzender einer Pfadfinder-Organisation im Mittleren Westen der USA, hat eigentlich nicht von einer politischen Karriere geträumt. Aber als ein Senator seines Bundesstaats stirbt, schlagen einflussreiche Leute vor, dass er das hohe Amt im US-Kongress übernehmen soll. Was Smith nicht ahnt: Senator Paine und der Unternehmer Taylor suchen bloß einen naiven Ja-Sager ohne parlamentarische Erfahrung. Die beiden wollen ein Gesetz für den Bau eines Staudamms voranbringen, der ihrem eigenen Vorteil dient. In Washington stellt der Idealist Smith fest, dass im Politikbetrieb ein rauer Umgang herrscht. Die Presse berichtet mit Spott über ihn, Kollegen wollen seine Vereidigung verhindern. Mithilfe seiner klugen Mitarbeiterin Clarissa Saunders findet sich Smith allmählich zurecht und bereitet seinen ersten Gesetzesentwurf vor: Die Idee eines Ferienlagers für "Boy Scouts" aus dem ganzen Land bedroht jedoch das Vorhaben von Paine und Taylor – das Camp soll am selben Ort gebaut werden wie der Staudamm.
Filmische Umsetzung: Sprechen als Akt, Stimme als Symbol
Frank Capra entwickelte sich in den 1930er-Jahren zum Erfolgsregisseur von Zum Inhalt: Screwball-Komödien, die am Ende des von der Wirtschaftskrise geprägten Jahrzehnts zusehends sozialkritische Züge annahmen. So ergibt sich die Komik von "Mr. Smith geht nach Washington" zwar aus einer klassischen Zum externen Inhalt: Fish-out-of-Water (öffnet im neuen Tab)-Story, aber in der Darstellung der demokratischen Prozesse ist der Schwarz-Weiß-Film ernsthaft und ambitioniert: Viel Zeit widmet Capra der Choreografie von Rede, Gegenrede und Reaktionen im Parlament. "Mr. Smith" ist im politischen Sinne ein Film über das Sprechen und über die Stimme(n): Redekunst kann Idealen oder korrupten Interessen dienen; eine Stimme Identität und Werte verraten. Mit seinem Spiel (Glossar: Zum Inhalt: Schauspiel) zeigt Hauptdarsteller James Stewart buchstäblich, dass Smith seine Stimme im politischen Diskurs erst finden muss.
Das Thema: US-Demokratie auf dem Prüfstand
In der Rolle des gutmütigen Jedermann fungiert Stewart als politischer Botschafter des Films, der in der Nachbetrachtung manchmal mit dem Begriff Zum externen Inhalt: Populismus (öffnet im neuen Tab) verbunden wird. Auf den Prüfstand stellt er, ob die Demokratie – deren Symbole Capra auf der National Mall der US-Hauptstadt gleich zweimal inszeniert – wirklich dem Gemeinwohl dient oder bloß ausgenutzt wird von Reichen, Mächtigen und Opportunisten, die institutionelle Abläufe und mediale Einflussnahme beherrschen. Seinerzeit gab es scharfe, nicht weniger ideologische Kritik daran, dass der Film dem "amerikanischen" Image der Institutionen schade. Neben der Skepsis gegenüber Politik und Lobbyismus formuliert "Mr. Smith" allerdings auch einen Glauben an die Kraft der freien Rede, die in der Demokratie durch die Grundrechte geschützt wird.
Fragen für ein Filmgespräch
Mit welchen Idealen der Vereinigten Staaten von Amerika kommt Jeff Smith nach Washington und auf welche Realität des Politikbetriebs trifft er dort?
Wie stellt der Film den Anspruch seiner Figur dar, das "einfache Volk" zu repräsentieren? Welche Gruppen der Gesellschaft sind in diesem historischen Bild des US-Kongresses nicht sichtbar oder nicht vertreten?
Was bedeutet das in den USA besondere parlamentarische Instrument "Filibuster"? Und wie inszeniert der Film es als heroischen Akt seiner Hauptfigur?