Bildungsrelevant, weil die Hommage an den Nouvelle-Vague-Klassiker "Außer Atem" mit viel Liebe zum Detail die Freude am Filmemachen vermittelt.

Die Geschichte: Chaotische Dreharbeiten eines Filmklassikers

Paris, 1959. Jean-Luc Godard ist spät dran. Als scharfzüngiger Kritiker der Zeitschrift Cahiers du cinéma glaubt er alles über das Filmemachen zu wissen, hat aber selbst noch keinen Langfilm gedreht. Während seine Kritikerkollegen François Truffaut und Claude Chabrol mit ihren Filmen längst die Zum Inhalt: Nouvelle Vague gestartet haben, gestalten sich die Dreharbeiten zu Godards Debüt schwierig. Die simple Gangstergeschichte, auf Grundlage eines von Godard gemeinsam mit Truffaut entwickelten Zum Inhalt: Drehbuchs, soll die Filmwelt revolutionieren, alle Regeln sind außer Kraft gesetzt. Insbesondere Jean Seberg, der Hollywood-Star, verzweifelt an den Marotten ihres unerfahrenen Regisseurs: Spontanität ist alles, die Dialoge entwirft Godard jeden Morgen beim Frühstück, hat er gerade keine Idee, entfallen ganze Drehtage. Der fidele Newcomer Jean-Paul Belmondo, neben Seberg in der männlichen Hauptrolle besetzt, hat damit keine Probleme. Produzent Georges de Beauregard allerdings bekommt starke Zweifel, ob dieser seltsame Film jemals das Licht der Welt erblicken wird.

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Filmische Umsetzung: Detailgetreue Nachstellung ikonischer Szenen

Richard Linklaters Film über das Filmemachen überzeugt als so liebevolle wie stilbewusste Hommage an Godards Nouvelle-Vague-Klassiker Zum Filmarchiv: "Außer Atem" ("À bout de souffle", FR 1960). Neben den eleganten Schwarz-Weiß-Analogbildern (Glossar: Zum Inhalt: Farbgestaltung) kopieren zahlreiche Zum Inhalt: Szenen die berühmten, seinerzeit tatsächlich revolutionären Zum Inhalt: Kameraperspektiven und Schnitte (Glossar: Zum Inhalt: Montage) des Originals. Die ikonischen Bilder von Jean Seberg und ihrem Co-Star Jean-Paul Belmondo auf den Champs-Élysées wurden detailgetreu nachgestellt, diesmal freilich aus der Perspektive der teils haarsträubenden Dreharbeiten. Für die große Menge auftauchender Filmschaffender, deren heute berühmte Namen beim ersten Auftritt eingeblendet werden, wurden bewusst unbekannte Darsteller/-innen als Lookalikes besetzt. Das verblüffende Zum Inhalt: Maskenbild trägt neben der ebenso genauen Nachbildung des Paris der 1950er-Jahre (Glossar: Zum Inhalt: Production Design/Ausstattung) zu einer authentischen Inszenierung bei.


Das Thema: Das Filmemachen als kollaborativer Prozess

Das Interesse von "Nouvelle Vague" gilt nicht allein dem schwierigen Genie Jean-Luc Godard, sondern vor allem dem kollaborativen Prozess des Filmemachens. Neben Godards Kameramann Raoul Coutard, der seine riesenhafte Gestalt in einen winzigen Kamerawagen zwängt, haben auch Maskenbildnerinnen und Zum externen Inhalt: Skriptgirls (öffnet im neuen Tab) ihren Auftritt. Auf Basis intensiver Recherche macht Linklaters Film deutlich, dass Godards unkonventionelle Methoden – wie die Verwendung mobiler Handkameras, der Verzicht auf künstliches Licht (Glossar: Zum Inhalt: Licht und Lichtgestaltung), auf Tonaufnahmen vor Ort (Glossar: Zum Inhalt: Tongestaltung/Sound Design) oder auf Kranfahrten – teils schlicht dem knappen Budget geschuldet waren. So setzt "Nouvelle Vague" zwar unverhohlen auf filmhistorische Wiedererkennungseffekte, vermittelt aber auch einem jungen Publikum ohne Kenntnis des Originals den Enthusiasmus der jungen Filmschaffenden von damals, die Freude am Kino und die kreative Kraft der Improvisation.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Jean-Luc Godard wurde mit "Außer Atem" zu einem der berühmtesten Filmemacher. Wie wird er im Film charakterisiert?

  • Wie gestalten sich im Film die Dreharbeiten? Welche Gewerke sind dabei zu sehen?

  • "Einen Film zu drehen, ist die beste Filmkritik", sagt Godard im Film. Wie hätte der 2022 verstorbene Regisseur "Nouvelle Vague" wohl bewertet? Ist es ein „revolutionärer“ oder eher ein konventioneller Film?

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