Kategorie: Filmbesprechung
"Verflucht normal"
I Swear
Aufklärung mit britischem Humor: ein Biopic über den Tourette-Aktivisten John Davidson und sein Leben mit der Krankheit
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil das Biopic anhand einer persönlichen Geschichte über das Tourette-Syndrom aufklärt und Empathie für Betroffene schafft.
Die Geschichte: Emanzipation eines Tourette-Erkrankten
Anfang der 1980er-Jahre wächst der 12-jährige John in der schottischen Kleinstadt Galashiels auf. Der aufgeweckte Junge ist bei Klassenkamerad/-innen beliebt und seine Fähigkeiten als Torwart im örtlichen Fußballverein sichern ihm die Anerkennung seines Vaters. Doch als er unkontrollierbare motorische und vokale Tics entwickelt, ändert sich sein Leben komplett. Vom Tourette-Syndrom haben zu dieser Zeit die wenigsten etwas gehört und obwohl John beteuert, nicht absichtlich mit dem Kopf zu zucken, zu spucken oder zu fluchen, reagieren seine überforderten Eltern genau wie das schulische Umfeld mit Ablehnung und Maßregelung. Erst als junger Erwachsener bewirkt die Begegnung mit Dottie, der Mutter eines alten Klassenkameraden, eine Wende in Johns inzwischen stark isoliertem Leben. Zum ersten Mal erlebt er echte Akzeptanz und bedingungslose Zuneigung – die Grundlage, um sich aus seiner passiven Rolle zu emanzipieren, eine Arbeit als Hausmeistergehilfe im Gemeindezentrum zu finden und schließlich zu einem prominenten Botschafter für das Tourette-Syndrom zu werden.
Filmische Umsetzung: Humorvolle Filmbiografie mit Bildungsauftrag
Das Zum Inhalt: Biopic basiert auf der Autobiografie des schottischen Tourette-Aktivisten John Davidson, der für seine Aufklärungsarbeit über die Erkrankung 2019 von der Queen mit dem Order of the British Empire ausgezeichnet wurde. Dieses Ereignis nimmt Regisseur Kirk Jones als Ausgangspunkt, um in genretypischer Zum Inhalt: Dramaturgie mittels mehrerer Zeitsprünge die Entwicklung vom unbeschwerten Kind über den isolierten jungen Mann zu einer zentralen Figur der britischen Tourette-Community nachzuzeichnen. Der Fokus liegt auf John als jungem Erwachsenen, dem die Beziehungen zu Dottie und seinem Chef Tommy den Weg in die Selbstwirksamkeit ebnen. Das ihn konstant begleitende Stigma, das teilweise sogar in brutale körperliche Gewalt ausschlägt, wird dabei nicht beschönigt. Ausgleich schaffen viele humorvolle Momente, die aus Johns Tics entstehen, sich aber zu keinem Zeitpunkt über seine Erkrankung lustig machen. Davidson selbst war für den Film beratend tätig. Während Hauptdarsteller Robert Aramayo selbst kein Tourette hat, sind von Tourette betroffene Laiendarsteller/-innen in Nebenrollen zu sehen.
Das Thema: Aufklärung über das Tourette-Syndrom
So wie John Davidson seine Mitmenschen über das Tourette-Syndrom aufklärt, leistet auch der Film einen Beitrag zur Aufklärung über die nicht heilbare, neuropsychiatrische Erkrankung, die in Deutschland erst seit 1985 als eigenständige Krankheit anerkannt ist. Seine Geschichte macht deutlich, dass der Leidensdruck nicht primär auf die Tics selbst zurückzuführen ist, sondern vor allem aus ablehnenden und verständnislosen Reaktionen entsteht. Gleichzeitig betont der Film die wichtige Rolle der klinischen Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten, indem er ein wegweisendes Projekt an der Universität Nottingham vorstellt, an dem Davidson als Proband teilgenommen hat.
Fragen für ein Filmgespräch
Das öffentliche Bild von Tourette ist stark von vokalen Tics geprägt, wie sie auch bei John auftreten. Auf welche Weise kann sich die Krankheit noch äußern?
"Verflucht Normal" zeigt verschiedene Abschnitte aus Johns Leben. Wie werden die unterschiedlichen Zeitebenen markiert, insbesondere durch Ausstattung (Glossar: Zum Inhalt: Production Design/Ausstattung) und Zum Inhalt: Kostüm?
John Davidson wurde bereits in mehreren Dokumentarfilmen portraitiert. Warum, glaubt ihr, hat er zudem die Produktion einer fiktionalisierten Filmbiografie unterstützt?
Weiterführende Links
- External Link Website des Verleihs mit Informationen zum Film
- External Link Filmwebsite (englisch)
- External Link Informationen zur barrierefreien Kinofassung
- External Link Vision Kino: FilmTipp
- External Link Website des InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e. V.
- External Link Wild Bunch Germany: Unterrichtsmaterial zum Film