Kategorie: Filmbesprechung
"Chihiros Reise ins Zauberland"
Sen to Chihiro no kamikakushi
Nach 25 Jahren wieder im Kino: Miyazakis bahnbrechendes Anime über ein zehnjähriges Mädchen, das in einer Geisterwelt zu sich selbst findet
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Zum Inhalt: Zeichentrickfilm sowohl die Entwicklungsgeschichte eines Mädchens erzählt als auch Kritik an der modernen Gesellschaft übt.
Die Geschichte: Abenteuer im Badehaus der Götter
Chihiro ist schlecht gelaunt. Sie will nicht mit ihren Eltern umziehen, hält auch nichts von dem Zwischenstopp in dem merkwürdigen menschenleeren Vergnügungspark am Ende eines Tunnels. Während ihre Eltern sich an einem Essensstand gierig den Bauch vollschlagen und sich schließlich in Schweine verwandeln, lernt Chihiro Haku kennen, der sie warnt: Chihiro befindet sich nämlich in einer Geisterwelt, in der sie nur überleben und ihre Eltern retten kann, wenn sie bei der alten Hexe Yubaba anheuert, die ein Badehaus für Götter betreibt. Doch bevor sie dort die Arbeit aufnehmen darf, beraubt Yubaba Chihiro eines Teils ihres Namens und sichert sich so die Kontrolle über sie. Eine große Gefahr für Chihiro, denn je länger sie im Badehaus bleibt, desto mehr droht sie zu vergessen, wer sie wirklich ist.
Filmische Umsetzung: Eintauchen in eine animistisch geprägte Welt
"Chihiros Reise ins Zauberland" taucht unvermittelt in eine Welt ein, die aus westlicher Sicht märchenhaft anmutet. Doch der Film behandelt die Götter (japanisch: kami) nicht wie Fantasiewesen. In der abenteuerlichen Geisterwelt des Zum Inhalt: Animes spiegeln sich traditionelle Shinto-Vorstellungen, die von einer Vielzahl an Gottheiten und einer belebten Umwelt ausgehen. Der dramaturgische Kniff liegt darin, dass Chihiro zunächst – wie auch ihre Eltern – keinen Bezug zu diesen Traditionen hat. Gemeinsam mit ihr lernt das Publikum daher diese Welt und deren „Regeln“ kennen. Spannend ist dabei, wie sämtliche Figuren sich einem simplen Gut-Böse-Schema verweigern und sogar gruselige Gestalten wie das Ohngesicht schließlich andere Facetten offenbaren. Dadurch fordert der Film das Publikum zu einer stetigen Neubewertung auf und hinterfragt Vorurteile. In seiner Tonalität unterdessen mischt der von seiner unbändigen Fabulierlust befeuerte Film munter Zum Inhalt: Slapstick, aufregende und kontemplative Zum Inhalt: Szenen.
Das Thema: Ein Kind erkennt sich selbst und seine Verantwortung
Chihiro ist anfangs nicht gerade sympathisch: Sie quengelt, wirkt desinteressiert und scheint vor allem Angst zu haben. Ihre Umwelt nimmt sie als fremdartig und unbelebt wahr. Im Laufe der Handlung beginnt Chihiro jedoch durch ihre Arbeit im Badehaus und durch ihre Freundschaft zu Haku die Welt mit anderen Augen zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Sie entwickelt sich dabei nicht durch Belehrungen von außen, sondern durch ihr Handeln, ihre Erfahrungen und ihre Beobachtungen. Während Chihiro zu einer starken Identifikationsfigur wird, die zudem keine traditionellen Geschlechterrollen bedient, nutzt Regisseur Miyazaki das Treiben im Badehaus der Götter auch für eine grundlegende Gesellschaftskritik und mahnt etwa Gier, Selbstsucht oder einen sorglosen Umgang mit der Umwelt an.
Kritische Aspekte
Der Film enthält einige schaurige Momente, etwa die Verwandlungsszene der Eltern, und Figuren, die auf jüngere Kinder furchteinflößend wirken können.
Fragen für ein Filmgespräch
Welche menschlichen Verhaltensweisen kritisiert der Film durch die Ereignisse im Badehaus der Götter? Wie sollten sich Menschen stattdessen verhalten?
Wörtlich übersetzt bedeutet der japanische Filmtitel: „Das geheimnisvolle Verschwinden von Sen und Chihiro“. Vergleicht diesen mit der deutschen Fassung. Worauf nimmt dieser Bezug?
Vergleicht "Chihiros Reise ins Zauberland" mit Zum Inhalt: Animationsfilmen aus Europa oder den USA. Welche gestalterischen Ähnlichkeiten und welche Unterschiede stellt ihr fest?