Bildungsrelevant, weil Jane Austens scharfer Blick auf Liebe und Ökonomie auch in der modernisierten Neuverfilmung aktuell bleibt.

Die Geschichte: Zwei Schwestern zwischen Verstand und Gefühl

England um 1800: Der Tod Henry Dashwoods lässt seine Frau und ihre drei Töchter mittellos zurück. Haus und Vermögen gehen an Dashwoods Sohn aus erster Ehe, die Familie bezieht ein kleines Cottage auf dem Land. Umso drängender stellt sich die Frage der Heirat der Töchter, wofür sich bald Kandidaten finden. Die älteste Schwester Elinor und Edward Ferrars scheinen Gefallen aneinander zu finden, können sich ihre Gefühle aber nicht eingestehen. Hingegen stürzen sich die impulsive Marianne und der charmante John Willoughby umgehend in eine Affäre. Beide Männer sind allerdings, wie sich herausstellt, schon anderweitig gebunden. Vor allem Marianne ist am Boden zerstört. Zwar zeigt auch der in sich gekehrte Colonel Brandon sein aufrichtiges Interesse an der mittleren Dashwood-Schwester, leider empfindet sie ihn als „ausgesprochen langweilig“. Erst nach einer unübersehbaren Fülle von Missverständnissen findet die wahre Liebe ihren Weg.

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Filmische Umsetzung: Romantische Liebesgeschichte voller Tragik und Witz

Jane Austens erstmals 1811 veröffentlichter Debütroman (deutscher Titel: Verstand und Gefühl) wurde bereits mehrfach verfilmt. Als stilprägend gilt insbesondere Ang Lees elegante Zum Inhalt: Adaption aus dem Jahr 1995. Austens berühmte Mischung aus romantischer Liebesgeschichte, tragischen Verwicklungen und Witz nicht weniger gekonnt balancierend, wählt die britische Filmemacherin Georgia Oakley doch einen dunkleren Ton. Kontrastreiche Erdfarben (Glossar: Zum Inhalt: Farbgestaltung) und natürliches Licht (Glossar: Zum Inhalt: Lichtgestaltung) bestimmen das Bild englischer Landschaften und beengter Innenräume, selten fehlt die Farbe Schwarz. Familiäre Zum Inhalt: Szenen im Kerzenschein strahlen Wärme aus, später aber auch die sich verdüsternde Grundstimmung. Im Vergleich zu früheren Verfilmungen rückt Marianne stärker in den Vordergrund. Sie repräsentiert getreu der Vorlage das „Gefühl“, Elinor den „Verstand“. Die innige Verbundenheit der Schwestern allerdings relativiert den vermeintlichen Gegensatz – Austen selbst schwankte noch beim Verfassen, welchem der beiden Prinzipien der Vorzug zu geben sei.


Das Thema: Die Heirat als einziger Weg zur wirtschaftlichen Absicherung

In der Zeit von "Sinn und Sinnlichkeit" bestimmen allein Heirat und die Wahl des richtigen Ehepartners über das Schicksal einer Frau, selbst in privilegierten Kreisen. Das Aussprechen von Gefühlen wiederum birgt die Gefahr, „gedemütigt“ zurückzubleiben. Nicht zuletzt wiegen auf beiden Seiten, Frauen wie Männer, die ökonomischen Voraussetzungen schwerer als die Liebe. Austens ungebrochene Popularität als scharfe Beobachterin solcher Verhältnisse, auch unter jungen Leser/-innen, bezeugt die Aktualität ihrer Themen. Womit auch die neue Verfilmung die Frage aufwirft, wieviel sich an unseren romantischen Vorstellungen von Liebe und Beziehung seitdem geändert hat.


Fragen für ein Filmgespräch

  • Jane Austens Roman wurde schon oft adaptiert, auch als Serie. Welche Gründe sprechen dafür oder dagegen, ein literarisches Werk immer wieder zu verfilmen?

  • Vernunftehe oder Liebesheirat – für welche Lösung entscheiden sich die Figuren im Film? Wodurch kommt es zu Missverständnissen?

  • Diskutiert eure eigenen Vorstellungen von Liebe und Beziehung. Inwiefern findet ihr Austens Themen noch heute aktuell?

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