Bildungsrelevant, weil im Genre des Sportfilms auf anschauliche Weise (Sport-)Geschichte und die Verfasstheit der deutschen Nachkriegsgesellschaft vermittelt wird.

Die Geschichte: Eine Erfolgsstory im Nachkriegsdeutschland

Nach seiner Entnazifizierung arbeitet der frühere Napola-Boxtrainer Karl Adam als Lehrer für Mathematik, Physik und Sport. 1955 gründet er in der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Ratzeburg einen Ruderclub für männliche Jugendliche. Als Trainer ist er nicht nur in sportlichen Belangen gefragt, auch die Spannungen der Nachkriegsgesellschaft beeinflussen seine tägliche Arbeit: Mitten durch den Ratzeburger See verläuft die deutsch-deutsche Grenze und auch die unaufgearbeitete NS-Zeit sorgt für Konflikte. Dennoch führt Adam das spartanisch ausgestattete und von den Etablierten als „Lumpenpack“ belächelte Team mit einem innovativen Ansatz zum Überraschungssieg bei der Deutschen Rudermeisterschaft. Und nach einem Rückschlag formt der „Ruderprofessor“ schließlich den neuen deutschen Männer-Achter, der 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom an den Start geht.

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Filmische Umsetzung: Deutsche Zeit- und Sportgeschichte als Erzählkino zwischen Anspruch und Unterhaltung

Wie das von Sönke Wortmann verfilmte „Wunder von Bern“ gehört die Goldfahrt des „Deutschland-Achters“ zu den Legenden des deutschen Nachkriegssports. "Adams Acht" erzählt die Erfolgsgeschichte vom ersten Training bis zum Olympiatriumph bis auf wenige Rückblenden chronologisch nach und zeichnet dabei ein plastisches Bild des Rudersports. Zugleich verästelt das Zum Inhalt: Drehbuch den Stoff zu einem facettenreichen Gesellschaftspanorama der Wirtschaftswunderzeit. Mit farbenprächtigen Bildern (Glossar: Zum Inhalt: Farbgestaltung), sorgfältigem Dekor (Glossar: Zum Inhalt: Ausstattung), markanter Besetzung und einer konventionellen Zum Inhalt: Dramaturgie inszeniert Hannu Salonen eingängiges Erzählkino zwischen Anspruch und Unterhaltung. Während die Figuren teils überzeichnet wirken, sorgt das provinzielle Setting für eine spezielle Atmosphäre. Filmische Höhepunkte sind die Rudersequenzen, die Salonen mit Kamerafahrten (Glossar: Zum Inhalt: Kamerabewegungen), Detailaufnahmen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen), hoher Schnittfrequenz (Glossar: Zum Inhalt: Montage) und anschwellender Zum Inhalt: Filmmusik mitreißend gestaltet.

Das Thema: Ein Ruderteam als Spiegel der Gesellschaft

„Ihr seid das neue Deutschland!“ motiviert Karl Adam sein Team. Mit kernigen Ansprachen ist der Trainer auch eine Vaterfigur für die Jugendlichen, von denen einige ihre leiblichen Väter im Krieg verloren haben. Der Achter avanciert zum Symbol für die junge Bundesrepublik und eine hoffnungsvolle Zukunft. Entsprechend spiegeln sich im Team viele Aspekte der damaligen Zeit: Der Schatten der NS-Herrschaft, die deutsche Teilung, die Klassengegensätze in Westdeutschland, aber auch die beginnende Demokratisierung der Gesellschaft und des Sports. Als neue Teammitglieder Nazigesänge anstimmen oder Adams Napola-Vergangenheit ans Licht kommt, droht die Gruppe zu zerbrechen. Doch stattdessen überzeugt der geläuterte Trainer sein Team vom Wert des Sportsgeists und des Zusammenhalts. Wie ein „achtzylindriger Motor“ ziehen die Sportler so über ihre Differenzen hinweg an einem Strang – mit Erfolg.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Welche Rolle spielen das Rudern und die von Karl Adam vermittelten Tugenden im Leben der Jugendlichen?

  • Analysiert die Bildsprache der Rudersequenzen. Wie entsteht die dynamische Wirkung?

  • Seht ihr Parallelen zum heutigen Zustand der Gesellschaft – etwa hinsichtlich politischer Konflikte oder sozialer Gegensätze?

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