Als die Vereinigten Staaten 1976 den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feierten, befand sich die US-amerikanische Demokratie in einer schweren Krise. Der Zum externen Inhalt: Vietnamkrieg (öffnet im neuen Tab) hatte das Land zerrissen, die Zum externen Inhalt: Watergate-Affäre (öffnet im neuen Tab) das Vertrauen in die Institutionen erschüttert, die Bürgerrechtsbewegung war nach den Morden an Martin Luther King, Malcolm X und Robert Kennedy zersplittert. Die landesweiten Feierlichkeiten waren ein politisches Signal an alle Amerikaner/-innen, zum nationalen Selbstverständnis zurückzufinden.

Nicht zufällig war dies die politischste Phase von Zum Inhalt: New Hollywood, die Blütezeit des Paranoia-Zum Inhalt: Thrillers: Filme wie "Die Unbestechlichen" ("All the President’s Men", Alan J. Pakula, 1976) oder Zum Filmarchiv: "Die drei Tage des Condor" ("Three Days of the Condor", Sydney Pollack, 1975) drückten ein diffuses Unbehagen vor den staatlichen Institutionen aus. Eine junge Generation von Filmemachern begann, sich kritisch mit dem US-amerikanischen Selbstbild als gottgegebener Führungsnation auseinanderzusetzen, wie es die Gründerväter in der Zum externen Inhalt: Unabhängigkeitserklärung (öffnet im neuen Tab) ("laws of nature and of nature's God") proklamiert hatten. Gegen diesen puritanisch geprägten Zum externen Inhalt: Patriotismus (öffnet im neuen Tab) richtete sich etwa Robert Altmans Satire "Nashville" (1975), in deren Mittelpunkt die 200-Jahr-Feiern in der Country-Hochburg stehen: ein grotesk überzeichnetes Sitten- und Wimmelbild US-amerikanischer Stereotypen, das den Jubiläumspomp als Inszenierung einer vermeintlich unschuldigen Epoche entlarvt.

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1910–1960: Strukturelle Diskriminierung im klassischen Hollywood-Kino

Hollywood hat den Prozess des "Nation Building" und das Selbstbild als Einwanderernation, in der alle Menschen über die gleichen Rechte verfügen, seit jeher begleitet und diesen Mythos mit eigenen Bildern und Erzählungen unterfüttert. Das bekannteste Beispiel ist D. W. Griffiths umstrittenes Stummfilmepos "Die Geburt einer Nation" ("The Birth of a Nation", 1915), das den Übergang vom Bürgerkrieg (1861–1865) in die Phase der "Zum externen Inhalt: Reconstruction (öffnet im neuen Tab)" (bis 1877) nachzeichnet. Mit seinem Film suggerierte Griffith, dass das Land nur mit Hilfe der moralischen Überlegenheit der "weißen Rasse" vereint werden kann. Diese strukturelle Diskriminierung fand bis in die Ära des klassischen Hollywood-Kinos Nachklang.

Die 1960er-Jahre waren der Kipppunkt, an dem die Erkenntnis, dass große Teile der Bevölkerung vom Wohlstandsversprechen der Eisenhower-Ära ausgeschlossen waren, in gesellschaftliche Mobilisierung umschlug. Erstmals in der Geschichte der USA wurde das Recht auf Gleichbehandlung, festgehalten in der Unabhängigkeitserklärung ("that all men are created equal") und ratifiziert 1866 im 14. Zusatzartikel der Verfassung, von großen Teilen der Bevölkerung in Zweifel gezogen. Das Ergebnis dieser Emanzipationsbewegungen waren der Zum externen Inhalt: Civil Rights Act (öffnet im neuen Tab) (1964) und der Zum externen Inhalt: Voting Rights Act (öffnet im neuen Tab) (1965), die rechtlich die Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung in den Südstaaten durch die sogenannten "Jim-Crow-Gesetze" aufhoben.

1960er-Jahre: Die Erfindung der progressiven Filmindustrie

Diese Etappe zog in Hollywood Filme nach sich, die sich in den Diskurs um die Rassen- und Klassenverhältnisse in den USA einschalteten. Der gesellschaftliche Wandel der 1960er-Jahre war nicht zuletzt der schleichenden Erkenntnis geschuldet, dass dieses "Amerika" ein vielfältiges soziales Gebilde unterschiedlicher kultureller Identitäten darstellt, die ihren Anspruch auf Teilhabe einfordern. In diesen Jahren setzte sich das Bild des liberalen, progressiven Hollywoods durch, das die Branche bis heute pflegt.

Schauspieler und Filmemacher Sidney Poitier wird im US-Kino der 1960er-Jahre zur integralen Figur. Er unterstützt die Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King und ermöglicht durch seine Popularität Filme, die sich mit dem Rassismus in den USA auseinandersetzen. Für "Lilien auf dem Felde" ("Lilies of the Field", Ralph Nelson, 1963) gewinnt er als erster Afroamerikaner den Zum externen Inhalt: Oscar (öffnet im neuen Tab)® für die beste männliche Hauptrolle. In dem Südstaaten-Thriller "In der Hitze der Nacht" ("In the Heat of the Night", Norman Jewison, 1967) fungierte der Konflikt von Poitiers Polizisten mit einem rassistischen Kleinstadt-Sheriff als Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen die Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen gerade neu ausgehandelt wurden. In diesen Jahren wurde allerdings auch deutlich, dass Poitier als einziger Schwarzer Hollywoodstar eine Art Token-Funktion zu erfüllen hatte.

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Es sollte noch bis 1969 dauern, bis mit Gordon Parks ("The Learning Tree") der erste Schwarze Regisseur für ein großes Studio drehte. Die Segregation in der Filmindustrie war mit New Hollywood keineswegs überwunden. Noch in den 1970er-Jahren waren Schwarze Regisseure wie Parks, Melvin van Peebles und Ossie Davis vor allem auf das populäre Zum externen Inhalt: Blaxploitationkino (öffnet im neuen Tab) abonniert.

1970–1980: Minoritäre Perspektiven im Mainstreamkino

Auch der Beitrag der Filmindustrie für die aufkommende Frauenbewegung blieb überschaubar. Im "Boys Club" des New Hollywood war Elaine May einzige Regisseurin. Fortschritte zeigten sich hingegen im unabhängigen Kino. In "The Exiles" (1961) porträtierte Kent Mackenzie den Alltag junger Indigener in Los Angeles. Barbara Loden drehte 1970 das feministische Zum Inhalt: Roadmovie "Wanda". Und Charles Burnett schuf mit "Killer of Sheep" (1977) ein eindringliches Dokument der Schwarzen Arbeiterklasse.

Die Auseinandersetzung der Filmindustrie mit Fragen von Gleichberechtigung, Repräsentation und Vielfalt verlief nie linear, sie ist voller Brüche. Nach dem neokonservativen Backlash durch die Wahl von Ronald Reagan 1981 war die Ernüchterung über die verlorenen Kämpfe der Vergangenheit auch in der Filmproduktion zu spüren. Das Blockbusterkino hatte durch Erfolge wie Zum Filmarchiv: "Der weiße Hai" ("Jaws", Steven Spielberg, 1975) die liberalen Strömungen verdrängt. Zwar rückten Filme wie "Die Farbe Lila" ("The Color Purple", Spielberg, 1985) vereinzelt Schwarze Figuren und Perspektiven in den Mittelpunkt, aber überholte Rollenbilder blieben virulent. 1990 sang die HipHop-Gruppe Public Enemy, frustriert vom unterschwelligen Rassismus in der Filmindustrie, "Burn Hollywood Burn". Ein Jahr zuvor hatte Spike Lee mit der radikalen Culture-Clash-Zum Inhalt: Komödie "Do the Right Thing" einen unversöhnlichen Kommentar auf den US-Mythos vom Zum externen Inhalt: Melting Pot (öffnet im neuen Tab) abgegeben. Die Rivalitäten in einer Gruppe von afro-, latino- und italoamerikanischen Freunden kulminieren in rassistischer Polizeigewalt und einer Straßenschlacht.

1990er-Jahre: New Queer Cinema und New Black Cinema

Standen die 1960er- und 1970er-Jahre im Zeichen der Bürgerrechts- und Frauenbewegung, traten in den folgenden Dekaden weitere Gruppen hervor, die von der Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft betroffen waren. Das Zum externen Inhalt: New Queer Cinema (öffnet im neuen Tab), ein loser Verbund junger Regisseur/-innen des unabhängigen US-Kinos um Gus Van Sant ("My Private Idaho"/"My Own Private Idaho", 1991) und Todd Haynes ("Poison", 1991), war Anfang der 1990er-Jahre auch eine Reaktion auf die Aids-Krise. Die mediale Darstellung der Krankheit hatte zur Stigmatisierung Homosexueller als "Risikogruppe" geführt.

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Das New Queer Cinema wollte ein vielschichtiges Bild schwuler und lesbischer Lebenswirklichkeit vermitteln und damit auch dem durch die Aids-Panik verstärkten Bild tragischer Homosexualität entgegenwirken. Van Sant und Haynes bereiteten Filmemacher/-innen den Weg, die ab den 1990er-Jahren eine höhere Sichtbarkeit für die Zum externen Inhalt: LGBTQI-Community (öffnet im neuen Tab) im Mainstreamkino erreichten. Kimberly Peirce verfilmte 1999 mit "Boys Don’t Cry" die wahre Geschichte der jungen trans* Person Brandon Teena, Van Sant mit Zum Filmarchiv: "Milk" (2008) die Lebensgeschichte des ersten offen schwulen Politikers in den USA. Doch queere Rollen wurden weiter mit heterosexuellen Stars – etwa Heath Ledger in "Brokeback Mountain" (Ang Lee, 2001) – besetzt. Dass die Strukturen für queere Darsteller/-innen nicht automatisch durchlässiger wurden, spiegelt auch die gesellschaftlichen Verhältnisse wider: Erst 2015 legalisierte der Zum externen Inhalt: Supreme Court (öffnet im neuen Tab) gleichgeschlechtliche Ehen.

Die Bestrebungen der Filmindustrie, den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten und zu begleiten, hingen seit jeher auch von politischen und ökonomischen Faktoren ab. Der Aufschwung des Zum externen Inhalt: New Black Cinema (öffnet im neuen Tab) in den frühen 1990er-Jahren etwa war auch eine Antwort auf die Berichterstattung über die desolaten Zustände in den US-amerikanischen Innenstädten, etwa nach den Rodney-King-Unruhen in Los Angeles 1992, sowie auf den kommerziellen Erfolg des Hiphop. Der erste große Film dieser kurzen Ära, Zum Filmarchiv: "Boyz n the Hood" (1991) von John Singleton, beschrieb das Leben in der afroamerikanischen Nachbarschaft Compton erstmals aus der Sicht der Menschen "im Viertel".

2010 bis heute: Kritische Interpretationen des amerikanischen Gründungsmythos

Dass das Bewusstsein für Diversität und Repräsentation im US-Kino heute so ausgeprägt ist wie noch nie, hat viel mit dem Einfluss der sozialen Medien zu tun. #BlackLivesMatter und #MeToo haben den Ton in den gesellschaftlichen Debatten verändert und marginalisierten Positionen eine neue Öffentlichkeit gegeben. Die Enthüllungen um den Filmproduzenten Harvey Weinstein (2017), der über Jahrzehnte Frauen sexuell missbrauchen konnte, machten jedoch deutlich, dass die Filmbranche selbst ein Teil des Problems darstellt.

Mit dem Wandel hin zu mehr Vielfalt ging in den 2010er-Jahren auch eine Neubetrachtung der eigenen Geschichte einher. Ein Beispiel ist Spielbergs "Lincoln" (2013), der den Gründermythos der USA als "Land of the Free" noch einmal vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs befragt. In Lincoln wird der Zum externen Inhalt: Abolitionismus (öffnet im neuen Tab) zum eigentlichen Initiationsmoment des modernen Staatswesens.

Mit wachsendem Einfluss der "Zum externen Inhalt: Critical Race Theory (öffnet im neuen Tab)" im akademischen Kontext hielten im vergangenen Jahrzehnt verstärkt kritische Interpretationen des amerikanischen Gründungsmythos als Einwanderernation Einzug in der Unterhaltungskultur. So haben zum Beispiel Filme wie Zum Filmarchiv: "Songs My Brothers Taught Me" (2015) von Chloé Zhao oder Zum Filmarchiv: "Killers of the Flower Moon" (2023) von Martin Scorsese indigene Perspektiven aufgegriffen und die Lebensumstände in den Reservaten in der Vergangenheit und der Gegenwart beschrieben.

Das wohl treffendste Symbolbild hat Hollywood mit dem Historienepos Zum Filmarchiv: "Der Brutalist" ("The Brutalist", 2024) in die Ikonografie für die 250-Jahr-Feierlichkeiten eingespeist: Der jüdische Architekt László Tóth, mit letzter Kraft den deutschen Konzentrationslagern entkommen, kommt als Migrant in den USA an. Beim Öffnen der Schiffsluke vor Ellis Island taumelt die Kamera orientierungslos in Richtung Himmel und fängt für einen Moment die auf dem Kopf stehende Freiheitsstatur ein. Ein Menetekel. In seiner neuen Heimat wird der Protagonist von Brady Corbets Film erneut Ausgrenzung erfahren.

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Das Vermächtnis der Unabhängigkeitserklärung und der "Zum externen Inhalt: Bill of Rights (öffnet im neuen Tab)", die die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz garantieren, war im US-Kino schon immer Ausdruck patriotischer Selbstvergewisserung wie auch Gegenstand kritischer Hinterfragung. Dieses Wechselspiel findet seine Entsprechung in den politischen Machtkämpfen, in denen das Selbstbestimmungsrecht ständig aufs Neue verteidigt werden muss. Heute, da der 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung in eine Zeit fällt, in der die US-amerikanische Demokratie durch eine autokratische Regierung bedroht ist, gilt das mehr denn je.

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