Kategorie: Filmbesprechung
"Der Sohn von Rambow"
Son of Rambow
Spaß, Action und Video: Zwei britische Schuljungen drehen in den 1980er-Jahren ihren Lieblingsfilm neu.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Film die kindliche Freude am Filmemachen mit dem medialen Umbruch der VHS-Videotechnik in den 1980er-Jahren verbindet.
Die Geschichte: Film im Kopf
Kino kennt der 11-jährige Will Proudfoot nur von außen; an der Schule muss er sogar den Raum verlassen, wenn ein Lehrfilm gezeigt wird, so gebietet es der Glauben seiner christlichen Sekte. Dass seine Fantasie dennoch wilde Blasen wirft, zeigen seine ausufernden Zeichnungen, die er in einem großen Buch sammelt. Von ganz anderem Kaliber ist der gleichaltrige Lee Carter: Während Will mit der Gemeinde draußen demonstriert, sitzt Lee rauchend im Kino und filmt mit einer Videokamera "Rambo" ("First Blood", Ted Kotcheff, USA 1982) von der Leinwand ab. Daheim macht er dann Kopien seiner Bootleg-Aufnahmen und verkauft sie zum Beispiel an die Angestellten des Pflegeheims, in dessen Hinterhaus er mit seinem großen Bruder wohnt. Eher zufällig finden die zwei Jungen für ein Filmprojekt zusammen – Lee will damit einen Talentwettbewerb gewinnen. Schon bald imaginiert sich der schüchterne Will, der als ersten Film seines Lebens "Rambo" gesehen hat, als "Sohn von Rambow", im Unterhemd mit der Schuluniform-Krawatte als Stirnband.
Filmsprachliche Umsetzung: Trickreich inszenierte Buddy-Komödie
Neben die beiden mit ihrem glaubwürdig inszenierten Lebensalltag hadernden Jungen stellt der Film noch eine dritte Figur: Didier, ein Austauschschüler aus Frankreich, dessen erster Auftritt schon wie eine kleine Masterclass der Zum Inhalt: Inszenierung anmutet: Zunächst fährt die Kamera nur auf seine leuchtend roten Schuhe zu, ein Farbklecks im Einheitsgrau der Schuluniformen, dann auf seine rote Jacke, den dünn gepflegten Flaum über der Oberlippe, schließlich seine wilde Frisur (Glossar: Zum Inhalt: Kostüm/Kostümbild). Immer wieder stellt Garth Jennings' Film über das Filmemachen seine Gemachtheit aus, insbesondere, indem er Schnitte (Glossar: Zum Inhalt: Montage) und Zum Inhalt: Kamerafahrten nutzt, um komische Effekte zu erzielen oder Filmtricks (Glossar: Zum Inhalt: Spezialeffekt) anwendet, die beim nächsten Schwenk die Illusion offenbaren. Zugleich ist "Der Sohn von Rambow" eine Buddy-Zum Inhalt: Komödie, in der zwei sehr gegensätzliche Figuren sich streiten, vertragen und gegenseitig voranbringen; und ein Film, der versucht, die Auswirkungen der Thatcher-Regierung in den 1980er-Jahren einzufangen, indem er die Bauruine eines Kraftwerks und offensichtliche soziale Härten in seine Bilder einwebt.
Das Thema: Rahmenbedingungen fürs Kino
Die drei wichtigsten Figuren in Garth Jennings Film lassen sich als Stellvertreter für die unterschiedlichen Rollen im Filmemachen verstehen: Will bringt eine Hingabe ans Fabulieren mit, die die Grenze von ausgedachten zu realen Bildern durchbricht, wenn er etwa einen Hund an einem Drachen durch die Luft fliegen lässt. Sein Gegenüber ist Lee, der die Kamera stellt, den Filmpreis will, mit anderen Worten: die Filmproduktion vom Material bis zur Zum Inhalt: Distribution im Blick hat. Didier schließlich ist der exaltierte Star vor der Kamera, für den der Film ein Vehikel ist, um sich auszuleben und zugleich berühmt zu werden. (Selbst dass Mädchen hier allenfalls in unterstützenden Nebenrollen auftauchen, passt zum Action-Kino der 1980er-Jahre.) Dass Lee und Will ihren Film realisieren können, ist in genau dieser Zeit erstmals möglich: "Der Sohn von Rambow" erzählt von jenem Medienumbruch, als der Video-Camcorder das Filmedrehen für alle zugänglicher machte.
Fragen für ein Filmgespräch
Lee nutzt einen Camcorder, der das gefilmte Material auf Videokassetten aufzeichnet. Welche unterschiedlichen Arten kennst du, Videos und Filme zu speichern und aufzubewahren?
Beschreibe die Familienverhältnisse der Jungen und vergleiche sie miteinander. Wer macht den beiden jeweils Vorschriften, wie schränkt ihr Umfeld sie jeweils ein?
Welche Bilder oder Motive aus Wills Buch finden sich später im Filmmaterial wieder, das die Jungen gedreht haben?