Kategorie: Filmbesprechung
"Wolves"
Fasziniert von einer Black-Metal-Band, gerät eine junge Frau in die rechtsextreme Szene.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Film beeindruckend bebildert, wie eine junge Frau der Faszination für einen Künstler erliegen kann – und so für seine rechtsradikalen Tendenzen blind wird
Die Geschichte: Zwischen Musik und Radikalisierung
Luana arbeitet in einem Kindergarten, lebt noch bei ihrer Mutter und hat sich von ihrem schwerkranken Vater entfremdet. Fasziniert ist sie von der Black-Metal-Band WLVS, in der ihr Cousin Domi Schlagzeug spielt — und noch mehr vom ebenso geheimnisvollen wie charismatischen Sänger Wiktor. Bald wird sie erst Social-Media-Managerin der Band und wenig später Wiktors Freundin. Luana bricht schließlich aus ihrem angepassten Leben aus und taucht ein in eine Szene, die mit rechtsradikaler Symbolik und Ideologie weit mehr als nur kokettiert.
Filmische Umsetzung: Nahaufnahmen der Entfremdung
Sparsam sind die Dialoge und Gesten, mit denen "Wolves" seine bedrückende Geschichte erzählt. Ein stummes Frühstück mit der Mutter zeigt die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, Konflikte werden oft nur mit Blicken angedeutet. Die Seelenlage von Protagonist/-innen, die selbst keine Worte finden für ihre Gefühle, spiegelt sich immer wieder in Panoramaaufnahmen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) der grandiosen Schweizer Bergwelt oder Tableaus, in denen Menschen beziehungslos nebeneinander platziert sind. "Wolves" stellt die Szene dank der Mitarbeit von international bekannten Bands wie Amenra, Darkspace und Oathbreaker denkbar authentisch dar. Für die Songs der fiktiven WLVS zeichnet mit Manuel Gagneux von der Schweizer Progressive-Metal-Band Zeal & Ardor ein weiterer respektierten Musiker verantwortlich. Auch außerhalb der Konzertszenen (Glossar: Zum Inhalt: Szene) werden Elemente des Black Metal, mit seinem genretypisch düsteren und verzerrten Klang, zur atmosphärischen Verdichtung nicht-diegetisch eingesetzt.
Das Thema: Das Verschwimmen von ästhetischen und ideologischen Grenzen
Die Metal-Szene gibt sich häufig unpolitisch, ist aber an ihren extremen Rändern wie dem mit Satanismus und heidnischen Ideen spielenden Black Metal bisweilen anfällig für rechtsextreme Ansichten. Die Grenze zwischen der Begeisterung für nordische Mythen und der Faszination für die Ideologie des Nationalsozialismus verschwimmt immer wieder im extremen Gitarrenlärm und exzessiven Schreigesang. Mit dem National Socialist Black Metal (NSBM) gibt es sogar eine eigene Strömung im Genre. Die größten Schlagzeilen machte die sonst vornehmlich im Untergrund agierende Szene Anfang der 1990er-Jahre, als es in Norwegen zu Morden und Brandstiftungen in Kirchen kam. "Wolves" zeigt eindrücklich die gefährliche Faszination dieser Ästhetik. Schlagzeuger Domi zerstört zu Beginn des Films zwar demonstrativ eine rechtsradikale Metal-Platte aus seiner Sammlung, aber schnell spielt WLVS in illegalen Keller-Clubs vor einem Publikum mit zweifelhafter politischer Ausrichtung. Erst durch die zunehmende Verdichtung von Symbolen, Tattoos und Parolen erkennen Luana, Domi und die anderen Bandmitglieder, das radikale Umfeld, in das sie von Bandleader Wiktor eingeführt werden. Während Luana dieser Realität ausweicht, führt sie innerhalb der Band zu Zusammenstößen und letztendlich einem Bruch.
Kritische Aspekte: Familiendrama statt Ideologiekritik
Der charismatische WLVS-Frontmann Wiktor personifiziert die Faszination für die rebellische Attitüde des Black Metal, aber auch die Abgründe dieser Subkultur. Dass Luana sich in ihn verliebt, erklärt der Film vor allem durch ihre familiäre Prägung. Eine überfürsorgliche Mutter und ein eher abwesender Vater führen zu einem Flirt mit dem Bösen. Dieser kausale Zusammenhang wirkt etwas simplifizierend.
Fragen für ein Filmgespräch
Wie verändert sich die Hauptfigur Luana im Laufe des Films? Wirken ihre Entwicklung und ihre Entscheidung schlüssig?
Wie werden die Emotionen der Figuren dargestellt? Welche Rolle spielen dabei die Kameraarbeit?
Wie wird Black Metal dargestellt? Worin besteht die Faszination für diese Musik und die dazugehörige Szene?