Bildungsrelevant, weil "23.000 Leben" von Zivilcourage und ihren Grenzen erzählt und zum Nachdenken über Flucht und Aktivismus anregt.

Die Geschichte: Junge Deutsche gründen eine Seenotrettungsinitiative – und landen vor Gericht

Lukas lebt in einer WG in Berlin, als 2015 über eine Million Menschen nach Europa fliehen. Erst engagiert er sich in einer Notunterkunft. Als immer mehr Geflüchtete im Mittelmeer ertrinken, wollen er und seine Mitbewohnerin Nina nicht tatenlos zusehen und gründen mit anderen den Seenotrettungs-Verein Jugend Rettet. Die Suche nach dem passenden Schiff, Geldern und einem Team ist aufreibend. 2016 startet schließlich die erste Mission von Malta aus. Bis 2017 und über mehrere Missionen sind wechselnde Crews vor der lybischen Küste an der Rettung von über 23.000 Menschen beteiligt. Neben Euphorie nach erfolgreichen Rettungsmanövern erlebt die Gruppe auch Verzweiflung, wenn sie Ertrinkende im Meer zurücklassen muss. Außerdem kämpft das Team mit Richtungsstreits und mit Repressionen durch die lybischen und italienischen Behörden. Letztere klagen Jugend Rettet schließlich des „Menschenschmuggels“ an.

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Filmische Umsetzung: Eine reale Aktivismus-Geschichte wird zur Heldenerzählung

"23.000 Leben" erscheint mehr als ein Jahrzehnt nach der Gründung des realen Vereins Jugend Rettet. Anders als der Zum Inhalt: Dokumentarfilm "Iuventa" (Michele Cinque, DE 2018) ist das Drama mit prominenten Zum Inhalt: Schauspieler/-innen wie Hauptdarsteller Louis Hofmann besetzt. Die Geretteten werden dagegen teilweise von Darsteller/-innen mit Fluchtgeschichte verkörpert. Ihre Erfahrung ist allerdings nur dann Thema, wenn die Crew sich an Bord nach den Fluchtgründen erkundigt. Der Fokus des Zum Inhalt: Drehbuchs bleibt Lukas, der als Zum Inhalt: Voiceover-Erzähler durch den Film führt. Als Hauptfigur verknüpft er zudem die auseinanderklaffenden Schauplätze (Glossar: Zum Inhalt: Drehort/Set) Berlin und das Mittelmeer: Die warme Zum Inhalt: Farbgestaltung und der Pop-Soundtrack der urbanen Alltagswelt stehen im Kontrast zu den mit schwankenden Zum Inhalt: Kamerabewegungen und dramatischer Filmmusik inszenierten Rettungsszenen auf offener See. Dabei nimmt die Crew die Rolle von klassischen Held/-innen ein, die als moralische Vorbilder mit besonderem Mut Außeralltägliches leisten.

Das Thema: Filmischer Aufruf zu mehr Zivilcourage und Zusammenhalt

Das Drama "23.000 Leben" bietet Anlass zur Diskussion von Seenotrettung, ihrem rechtlichen Rahmen und dem politischen Konzept von Zivilcourage. Der Film selbst positioniert sich durch die ungebrochene Heroisierung der Crew eindeutig pro-aktivistisch. Die Argumente der politischen Gegenseite kommen zwar in kurzen Zum Inhalt: Szenen zur Sprache, etwa in einer inszenierten Talkshow oder in teils hasserfüllten Radio- und Internet-Kommentaren; die Seenotretter/-innen haben aber fast immer das letzte Wort. "23.000 Leben" sendet die klare Botschaft, dass Einzelne ihre Machtlosigkeit überwinden können, wenn sie sich zusammenschließen: Jugend Rettet wird im Film nicht nur von den Heldenfiguren, sondern auch von dutzenden Helfer/-innen vom Mechaniker bis zur Anwältin getragen. Im Gerichtsprozess werden schließlich die Geretteten selbst zu Unterstützern, als sie gegen die Anklage aussagen und den Verein vor enormen Geld- und Haftstrafen retten.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Wirkt Lukas auf euch wie ein Held? Wenn ja, in welchen Szenen und warum?

  • Aus wessen Perspektive ist der Film erzählt – und was wäre anders, wenn er aus der Perspektive der Geflüchteten gedreht wäre?

  • Organisiert eine Podiumsdiskussion, in der ihr die verschiedenen Positionen der Figuren einnehmt. Diskutiert aus ihrer Perspektive die Argumente für und gegen Seenotrettung.

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