Kategorie: Filmbesprechung
"Pressure"
Ein Kriegsfilm als kammerspielartiger Thriller: 1944 wird eine Wettervorhersage zum entscheidenden Faktor bei der Landung der alliierten Truppen in der Normandie.
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der Film aus ungewöhnlicher Perspektive und in Form eines kammerspielartigen Thrillers von einem entscheidenden Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs erzählt.
Die Geschichte: Eine kriegsentscheidende Wetterprognose
Anfang Juni 1944 steht mit der Invasion der Westalliierten in der Normandie ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg bevor. In einem Herrenhaus in Südengland planen US-General Dwight D. Eisenhower und weitere hohe Militärs die „D-Day“ genannte amphibische Landungsoperation. Eine entscheidende Variable ist aber noch unbekannt: Die Wetterlage am geplanten Datum des Einsatzes. Ein zu hoher Seegang oder eine dichte Wolkendecke würden das Unternehmen gefährden. 72 Stunden vor der Landung soll der schottische Meteorologe James Stagg das Wetter exakt prognostizieren – obwohl dies seiner Überzeugung nach mit einem solchen zeitlichen Abstand unmöglich ist. Während sein US-Kollege Irving Krick „grünes Licht“ erteilt, erkennt Stagg Anzeichen für einen schweren Sturm. Doch die Militärs weigern sich zunächst, ihm zu glauben.
Filmische Umsetzung: Dramatischer Kriegsfilm in Form eines dialogischen Kammerspiels
"Pressure "basiert auf dem gleichnamigen Bühnenstück von 2014, in dem David Haig die Planungshintergründe der D-Day-Invasion dramaturgisch leicht angepasst hat. Die Theaterwurzeln sind der prominent besetzten und historisch akkurat ausgestatteten (Glossar: Zum Inhalt: Ausstattung) Hollywood-Zum Inhalt: Adaption durchaus anzumerken. Regisseur und Co-Autor Anthony Maras inszeniert den Militär-Zum Inhalt: Thriller als nüchternes Zum Inhalt: Kammerspiel, das weitgehend im Hauptquartier der Alliierten angesiedelt ist und den Fokus auf Dialoge, Zum Inhalt: Schauspiel und Figurenzeichnung legt. Die fachliche Konkurrenz zwischen den Meteorologen bildet dabei den dramatischen Kern der Handlung; hinzu kommt das Hadern Eisenhowers mit den sich widersprechenden Wettervorhersagen. Als verantwortlicher General steht er noch unter dem Eindruck einer missglückten D-Day-Generalprobe, bei der zahlreiche alliierte Soldaten ums Leben kamen.
Das Thema: Politisierte Wissenschaft
Der Filmtitel (dt: „Druck“) spielt einerseits auf die Wetterkunde an: Von Hoch- und Tiefdruckgebieten, Boden- und Höhenwetter oder den Daten aus Wetterballons ist im Film oft die Rede, visuell klingt das Thema in Bildern von Wolkenformationen und Wetterkarten an. Zugleich bezieht sich der Titel auf die Drucksituation Eisenhowers und die des Protagonisten Stagg, von dessen Prognose der Fortgang des Kriegs und unzählige Menschenleben abhängen. Sein Kompetenzstreit mit Krick beruht einerseits auf konträren Forschungsansätzen, entzündet sich jedoch auch an der Frage der Unabhängigkeit der Wissenschaft unter politischem Druck. Stagg, der ausschließlich aktuelle Daten auswertet, räumt stets ein, dass seine Prognose nur Wahrscheinlichkeiten angibt, wohingegen Krick seine auf der Analyse historischer Wetterkarten basierende Version als Fakt darstellt. Der Film verhandelt somit zwei Seiten der Wissenschaft im Spannungsfeld des Kriegs: Der innovative unbequeme, weil ergebnisoffene Ansatz trifft auf eine etablierte, aber unflexible Methode, die eine gefällige Vorhersage liefert.
Fragen für ein Filmgespräch
Worin unterscheiden sich die im Film gezeigten wissenschaftlichen Ansätze?
Inwiefern lässt sich der meteorologische Disput auf heutige Debatten über den Klimawandel und weitere Wissenschaftsthemen beziehen?
Wie ist die D-Day-Invasion am Ende des Films inszeniert? Vergleicht das Finale mit der Zum externen Inhalt: Eröffnungssequenz (öffnet im neuen Tab) in ("Saving Private Ryan", USA 1998)?