Bildungsrelevant, weil die Roman-Zum Inhalt: Adaption zeigt, wie die Auseinandersetzung mit Trauer und familiärer Halt die Identitätsfindung im jungen Erwachsenenalter prägen kann.

Die Geschichte: Zwischen Schauspielschule und Champagner am Morgen

Mit Anfang 20 wird Joachim überraschend an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule für darstellende Kunst in München angenommen und zieht dort in die großbürgerliche Villa seiner Großeltern. Seine Großmutter Inge, eine ehemalige Schauspielerin, und sein Großvater Hermann, ein emeritierter Philosophieprofessor, pflegen dort einen Alltag voller bizarrer Rituale und reichlich Alkoholkonsum. Während Joachim in der Schauspielschule mit eigenen Hemmungen, herausfordernden Lehrer/-innen und absurd anmutenden Übungen kämpft, versucht er privat, den Unfalltod seines Bruders Philipp zu verarbeiten. Diese Verlust hat eine schmerzhafte Lücke in seinem Leben hinterlassen. Hin- und hergerissen zwischen den Anforderungen seiner Ausbildung und der liebevollen, aber auch nostalgischen Welt seiner Großeltern, sucht Joachim nach seinem Platz im Leben und auf der Bühne.

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Filmische Umsetzung: Tragikomik und 1990er-Jahre-Atmosphäre

Regisseur Simon Verhoeven versucht Joachim Meyerhoffs Roman als Tragikomödie zu inszenieren, die die Balance zwischen humorvollen Anekdoten und tiefer emotionaler Wahrheit hält. Das Szenenbild (Glossar: Zum Inhalt: Production Design/Ausstattung) rekonstruiert die Epoche der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre und kreiert zwei gegensätzliche Welten: die warme, an Zum Inhalt: Requisiten reiche Villa der Großeltern als Rückzugsort und die kargen, funktionalen Räume der Schauspielschule als Ort der Prüfung. Die Kamera fängt diese Dualität in kontrastreichen Bildern ein. Insbesondere die Gesichter der Figuren werde in Nahaufnahmen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) erkundet, während sich über die Laufzeit des Films zudem visuelle Leitmotive etablieren – etwa gemeinsame Spaziergänge im Schlosspark Nymphenburg. Größte Stärke des Films ist das Ensemblespiel: Bruno Alexander verkörpert die Zerrissenheit der Hauptfigur mit physischer Intensität, während Senta Berger und Michael Wittenborn den Großeltern Würde, Witz und Zerbrechlichkeit verleihen. Die Zum Inhalt: Inszenierung wirkt insbesondere bei emotionalen Themen gelegentlich etwas aufgesetzt und kommt dabei nicht an die mitreißende Erzählweise des Romans heran.

Das Thema: Die Lücke füllen

Das titelgebende Zitat aus Die Leiden des jungen Werthers fungiert als Leitmotiv für den Verlust von Joachims Bruder sowie der Differenz zwischen seinen Wünschen und der gelebten Realität. Der Film verbindet die klassische Identitätssuche des Zum Inhalt: Coming-of-Age-Films mit intensiver Trauerarbeit. Im Fokus steht zudem der Generationendialog: In der Symbiose mit seinen Großeltern findet Joachim Halt, während diese zunehmend an Lebenskraft verlieren. Zugleich thematisiert die Hommage an die Schauspielkunst das Scheitern als Reifungsprozess. Kritisch beleuchtet der Film dabei die teils übergriffige Härte der damaligen Schauspielausbildung.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Das Goethe-Zitat "Ach, diese Lücke ... " rezitiert im Film der Großvater. Worauf bezieht sich diese "Lücke" im Film für die verschiedenen Figuren und wie versuchen sie diese jeweils zu füllen?

  • Der Film zeigt zwei sehr unterschiedliche Lebenswelten: den Alltag in der Villa und den Unterricht an der Schauspielschule. Wie werden diese Orte inszeniert und was bedeuten sie Joachim? In welche Rollen schlüpft Joachim an diesen Orten.

  • Joachim zieht aus Schleswig zu seinen Großeltern, statt in eine WG oder allein zu wohnen. Könnt ihr euch vorstellen, mit euren Großeltern zusammenzuleben? Diskutiert die Vor- und Nachteile eines solchen Mehrgenerationen-Haushalts anhand der Szenen im Film.

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