Filme thematisieren immer wieder ihr eigenes Medium. Etwa indem sie das Kino als Ort inszenieren (Glossar: Zum Inhalt: Mise-en-Scène/Inszenierung), das Leben eines Filmstars erzählen oder Selbstreferenzen anbringen, die mal mehr, mal weniger offensichtlich auf die Filmkunst verweisen. Ein spezieller Fall sind Filme, die Dreharbeiten darstellen und darin Stoff für eigene Geschichten finden. Ihre Bandbreite reicht von (oft ironischen) Darstellungen bis hin zu Reflexionen der Filmkunst, die den kreativen Prozess, nicht selten aber auch die Egozentrik ambitionierter Filmkünstler/-innen thematisieren oder den Blick auf die schillernde Historie des Kinos richten.

Glamouröse Selbstdarstellung und Selbstreflexion

Ein frühes Filmbeispiel, das die Arbeit am Set zeigt, ist die Stummfilmkomödie "Es tut sich was in Hollywood" ("Show People", King Vidor, USA 1928). Der Film erzählt vom Aufstieg und Fall einer fiktiven Schauspielerin und gewährt dabei Einblicke in den Ablauf damaliger Dreharbeiten und die Entwicklung Hollywoods von den turbulenten Anfängen bis zur glamourösen Traumfabrik. Statt das Zum Inhalt: Studiosystem und die damit verbundenen Zwänge kritisch zu hinterfragen, feiert Vidor die Strahlkraft der Filmwelt. Häufiges Sujet sind auch Krisen und Umbrüche der Filmgeschichte. Besonders die Ablösung des Zum Inhalt: Stummfilms durch den Tonfilm wurde wiederholt als Thema auserkoren – damals zeitaktuell in "Der Schuß im Tonfilmatelier" (Alfred Zeisler, D 1930), der die Dreharbeiten zu einer Romanze mit einer Kriminalfilmhandlung verbindet, später unter anderem in Zum Filmarchiv: "The Artist" (Michel Hazanavicius, FR/BE/USA 2011), ein ohne Dialoge und in Schwarzweiß gefilmtes Zum Inhalt: Drama über den Abstieg eines Stummfilmstars.

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Ein spezifisches Interesse an Filmen über das Filmemachen entstand ab den späten 1950er-Jahren im Kontext der "Neuen Wellen" des Kinos. Durch die Zum externen Inhalt: Autorentheorie (öffnet im neuen Tab), die Regisseur/-innen als originäre Schöpfer/-innen eines Films mit eigener künstlerischer Handschrift verstand, avancierten diese selbst zu Stars. Die junge Regiegeneration reflektierte das Medium, seine ökonomischen Bedingungen und nicht zuletzt die eigene Position, Eitelkeiten und Krisen. Im Zentrum standen nun häufig Machtfragen, speziell die Abhängigkeit der Künstler/-innen von Produzent/-innen und Studios. Den Konflikt zwischen Kunst und Kommerz brechen die Filme dabei zumeist auf eine persönliche Ebene herunter.

Die Spannungen zwischen künstlerischen und ökonomischen Interessen stehen beispielsweise im Mittelpunkt von "Die Verachtung" ("Le mépris", Jean-Luc Godard, FR/IT 1963). Ähnlich wie schon "Boulevard der Dämmerung" ("Sunset Blvd.", Billy Wilder, USA 1950) reflektiert der Film die Käuflichkeit von Kreativen, die aus Eigennutz einen moralischen Bankrott hinlegen. In Godards Film nimmt sich der Produzent ganz selbstverständlich die Frau des opportunistischen Drehbuchautors zur Geliebten, was seine Machtposition auf drastische Weise unterstreicht. Auf die Macht der Geldgeber hebt auch "Der Stand der Dinge" (PG/BRD/USA 1982) von Wim Wenders ab. Darin gehen einer Filmcrew mitten im Dreh eines postapokalyptischen Zum Inhalt: Science-Fiction-Films die finanziellen Mittel aus. Das veranlasst den Film-im-Film-Regisseur zu einer Reise nach Los Angeles, wo er seinen Produzenten konfrontieren will. Mit dem persönlich motivierten Zum Inhalt: Autorenfilm verarbeitet Wenders die desillusionierenden Erfahrungen, die er zuvor selbst mit Produzent Francis Ford Coppola beim Dreh seines ersten Hollywood-Films gemacht hatte.

Einen versöhnlicheren Ansatz, der mehr auf die Faszination für das Filmemachen an sich abhebt, verfolgte François Truffaut mit "Die amerikanische Nacht" ("La nuit américaine", FR/IT 1973). Anhand eines Filmdrehs zeigt Truffaut, dass ein Regisseur allein keinen Film drehen kann, sondern auf ein großes Team aus Kreativen angewiesen ist. Zugleich hebt Truffaut auf die vielen Zufälle und Widrigkeiten ab, die einen Filmdreh beeinflussen. Am Ende ist nicht der Regisseur, sondern das Zum externen Inhalt: Skript-Girl (öffnet im neuen Tab) die heimliche Heldin des Films. Die chinesische Filmemacherin Ann Hui ging mit "The Stunt Woman" ("Ah Kam", HK 1996) darüber hinaus, indem sie eine Stuntfrau als Protagonistin und damit einen sonst wenig thematisierten Filmberuf in den Mittelpunkt stellte.

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Dass Filme von einem Kollektiv hergestellt werden, ist aber auch ein Nährboden für ernste persönliche Differenzen. In "Warnung vor einer heiligen Nutte" (BRD/IT 1971) zeigt Rainer Werner Fassbinder vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen die wechselnden Allianzen und Machtverhältnisse innerhalb einer Filmcrew, die ohne Filmförderung in Spanien ausharrt. Der zunächst abwesende Regisseur tritt nach seiner Ankunft als cholerischer Manipulator auf, der seine Machtposition innerhalb der Crew ausnutzt. Dass Filmschaffende nicht nur den Financiers ausgeliefert sind, sondern ihrerseits mitunter Cast und Crew ihrer Filme drangsalieren, stellt auch das Biopic "Hitchcock" (Sacha Gervasi, USA/UK 2012) über die Dreharbeiten zu Zum Filmarchiv: "Psycho" (Alfred Hitchcock, USA 1960) heraus. Dass diese Filme Arbeitsbedingungen und Machtverhältnisse am Set kritisch beleuchten, mindert jedoch nicht ihre eigene Teilhabe an ebendiesen Strukturen.

Eher selten werfen Filme einen (selbst-)kritischen Blick auf die globale Dominanz der westlichen Kinoproduktion und der damit einhergehenden Sichtweisen. Ein Beispiel dafür ist Icíar Bollaíns Zum Filmarchiv: "Und dann der Regen" ("También la lluvia", MX/ES/FR 2010), in dem eine spanische Filmcrew bei den Dreharbeiten an einem kolonialismuskritischen Historienfilm in Bolivien unbeabsichtigt koloniale Muster reproduziert, indem es indigene Perspektiven ignoriert.

Verspielte Indies

Mit dem Aufkommen unabhängig produzierter Independentfilme rückte vermehrt das kreative Chaos in den Blick, das gering budgetierte Filmdrehs mit sich bringen. Damit einher geht der Spaß an der Improvisation und an der kollektiven Kreativarbeit. So spielt es in "Ed Wood" (USA 1994) von Tim Burton keine Rolle, dass die Filme des mäßig talentierten Titelhelden dilettantisch umgesetzt sind. Im Zentrum steht vielmehr der Enthusiasmus des Regisseurs, der Menschen für ein gemeinsames Projekt begeistert. Dass sich unabhängig finanzierte Independentfilm-Drehs oft mit dem Privatleben ihrer Macher/-innen vermischen, zeigt auf andere Weise Zum Filmarchiv: "The Watermelon Woman" (USA 1996) von Cheryl Dunye. Darin dreht eine von der Regisseurin gespielte Videothekarin einen Zum Inhalt: Dokumentarfilm über eine unbekannte Darstellerin, wobei ihr eigenes Leben und das ihrer Protagonistin immer mehr ineinander aufgehen.

Von einem Low-Budget-Projekt handelt auch "One Cut of the Dead "("Kamera o tomeru na!", Ueda Shin'ichirô, JP 2017), in dem sich die Dreharbeiten zu einem Zombiefilm, bei dem plötzlich echte Untote die Crew attackieren, als Teil einer ironischen Film-im-Film-im-Film-Konstruktion entpuppen. Eine Hommage an das B-Film-Kino, die zugleich Hintergründe zu Produktionsbedingungen liefert. Damit vereint der Stoff zwei wesentliche Merkmale von Filmen über das Filmemachen, die oft chaotische und prekäre Dreharbeiten in Szene setzen, dabei aber fast automatisch auch eine Lanze für die Kinoliebe brechen.

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Darauf bauen ganz besonders Filme, die Dreharbeiten jenseits der üblichen Verwertungslogik zeigen und stattdessen die Leidenschaft vermitteln, einfach selbst eine Kamera in die Hand zu nehmen. In der Komödie Zum Filmarchiv: "Abgedreht" ("Be Kind Rewind", Michel Gondry, USA/FR/UK 2008) drehen zwei Freunde populäre Hollywood-Filme auf eigene Faust nach, weil sämtliche Videokassetten aus ihrer Videothek gelöscht wurden. Ihre Amateurwerke begeistern die Kundschaft, die bald selbst bei den tollkühnen Dreharbeiten mitwirkt. Die Begeisterung dafür, vor der Kamera eine eigene Welt zu erschaffen, kennzeichnet auch Zum Filmarchiv: "Der Sohn von Rambow" ("Son of Rambow", Garth Jennings, GB/FR/DE 2007). Darin filmen zwei Schüler ihre eigene Version des Action-Klassikers "Rambo "("First Blood", Ted Kotcheff, USA/NL 1982) – ohne Geld, dafür aber mit echter Begeisterung. Damit demokratisieren die beiden das Filmemachen – und leben den Traum vom wahrlich unabhängigen Filmdreh.