Bildungsrelevant, weil der Film durch seine geschickt inszenierte Erzählperspektive die Macht vorurteilsbehafteter Narrative hinterfragt und strukturellen (Alltags-)Rassismus kritisch thematisiert.

Die Geschichte: Eine Freundin unter Terrorverdacht

Kasih, Saya und Hani sind seit ihrer Kindheit enge Freundinnen. Sie sind in der gleichen Siedlung am Rande einer deutschen Großstadt aufgewachsen und zusammen zur Schule gegangen. Als Saya, die inzwischen weggezogen ist, zur Hochzeit einer ehemaligen Mitschülerin in die Heimatstadt kommt, währt das freudige Wiedersehen jedoch nur kurz. Bei einem Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus kommen über ein Dutzend Menschen ums Leben. Saya wird nahe des Tatorts aufgegriffen und festgenommen. Sie gilt als dringend tatverdächtig, wobei ihr die Presse mal islamistische, mal linksextremistische Motive unterstellt. Kasih kann das sich medial rasch verbreitende Narrativ über ihre Freundin kaum fassen und beschließt, ein Fernsehinterview zu geben, um die Dinge richtig zu stellen. Nur: Was bedeutet das eigentlich?

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Filmische Umsetzung: Spiel mit der Perspektiven und Erwartungen

Milena Aboyans Zum Inhalt: Adaption des gleichnamigen Romans von Shida Bazyar übersetzt dessen Erzählperspektive in filmische Mittel: Als Ich-Erzählerin durchbricht Kasih gleich zu Beginn die Zum Inhalt: vierte Wand und führt im Zum Inhalt: Voiceover durch den weiteren Film. Das TV-Interview dient als roter Faden für ihre Geschichte, in der sie sich immer wieder als unzuverlässige Erzählerin erweist; etwa, wenn sie ihre Erzählung von der „schönen“ sogleich mit der von der „beschissenen“ Kindheit korrigiert. Gezielt gesetzte Auslassungen (Glossar: Zum Inhalt: Elliptische Struktur), wie zur genauen Herkunft der drei Protagonistinnen, und ein nie ganz aufgelöster Spannungsaufbau, unterstützt durch schnelle Schnitte (Glossar: Zum Inhalt: Montage) und treibende Musik (Glossar: Zum Inhalt: Filmmusik), spielen mit der Erwartungshaltung des Publikums. Die Protagonistinnen gehen dabei auf sehr unterschiedliche Weise, mit dem ominpräsenten Alltagsrassismus um: Hani versucht sich einzufügen und diskriminierende Situationen wegzulächeln, während Saya wütend reagiert. Kasih bewegt sich irgendwo dazwischen. Als Freundin steht sie Saya aber bedingungslos zur Seite und lässt als Erzählerin ihre Wut auf eine Gesellschaft, die den eigenen Rassismus nicht anerkennt, nachvollziehbar werden. Dem gegenüber stehen die mit Auslassungen arbeitenden medialen Darstellungen von Saya als radikalisierter junger Frau, die eine schwer kontrollierbare Eigendynamik entwickeln.

Das Thema: Die Gefahr rassistischer Narrative

Ein Erzählstrang zum Prozessauftakt einer rechtsextremen Mordserie, mit dem Saya sich fast schon obsessiv beschäftigt, weist offensichtliche Parallelen zu den Taten des NSU auf. Nachdem durch dessen Selbstenttarnung vor 15 Jahren klar wurde, dass die ausbleibenden Ermittlungserfolge im Rassismus innerhalb der Behörden begründet waren, demonstriert "Drei Kameradinnen" eindrücklich, wie stark rassistische Narrative weiterhin wirken – und wie verlockend es für die Mehrheitsgesellschaft sein kann, sich auf ihnen auszuruhen.


Fragen für ein Filmgespräch

  • Was sind für euch „Kameradinnen“? Passt der Titel eurer Meinung nach zur Darstellung von Kasihs, Sayas und Hanis Freundschaft im Film?

  • Welche Perspektiven stehen sich im Film gegenüber und mit welchen filmischen Mitteln werden sie jeweils dargestellt?

  • Kasih begründet ihre nicht-lineare Erzählweise damit, dass „ein Kreislauf keine Chronologie“ habe. Wie versteht ihr diese Aussage und wie wird sie in der Dramaturgie aufgegriffen?

Wichtiger Hinweis:

Hinweis: In Kürze bietet kinofenster.de zu diesem Film auch ein Arbeitsblatt an.

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