Bildungsrelevant, weil die dokumentarische Langzeitbeobachtung den Mythos Cowboy reflektiert und mit Themen wie Selbstfindung und Erwachsenwerden verbindet.

Die Geschichte: Traum von Freiheit und Männlichkeit

Crowley McCuistion ist elf Jahre alt und wächst mit seiner Familie im ländlichen Colorado am Fuß der Rocky Mountains auf. Sein Vater und sein älterer Bruder Yancie arbeiten als Cowboys – ein entbehrungsreiches Leben, das Crowley mit Unabhängigkeit, Freiheit und Männlichkeit verbindet. Deswegen akzeptiert er Disziplin und harte Arbeit, die vor allem der Vater einfordert. Sein Ziel: selbst Cowboy zu werden, eine eigene Farm zu bewirtschaften und eines Tages als Rodeo-Reiter seinem Bruder nachzufolgen. Die Langzeitdokumentation (Glossar: Zum Inhalt: Dokumentarfilm) begleitet Crowley beim Erwachsenwerden, zeigt, wie eine familiäre Tragödie ihn erschüttert und wie sich sein Blick auf seine Lebensentwürfe und sein Selbstbild verändert.

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Filmische Umsetzung: Beobachtung über elf Jahre

Über ein Jahrzehnt lang verfolgt Regisseur André Hörmann Crowleys Entwicklung. In ruhigen, nahen Einstellungen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) beobachtet die Kamera das Kind, das lieber Pferde trainiert, als zur Schule zu gehen, den Jugendlichen, der seinen Traum vom Rodeo aufgeben muss, und schließlich den jungen Mann, der sich mit schlecht bezahlten Jobs durchschlägt und nach Orientierung sucht. Wiederkehrende Landschaftsaufnahmen öffnen den Blick für Weite und Stille – und verweisen auf die Ikonografie des Westerngenres (Glossar: Zum Inhalt: Western). Auf einen kommentierenden Zum Inhalt: Off-Text verzichtet der Film; stattdessen kommen Crowley und seine Familie selbst zu Wort. Elektronisch geprägte Countryklänge (Glossar: Zum Inhalt: Filmmusik) verdichten die Atmosphäre zu einem eindringlichen Porträt einer Identitätssuche. Der Mythos von Freiheit und Selbstbestimmung trifft dabei auf die Begrenzungen der Realität. Mit seiner gelassenen Erzählweise lässt "The Cowboy" dabei dem Publikum Raum für eigene Beobachtungen und Deutungen.

Thema: Cowboy-Mythos, Männerbilder und Erwachsenwerden

"The Cowboy" setzt sich mit einem kulturellen Mythos auseinander, der bis heute als konkreter Lebensentwurf fortbesteht. Im Zentrum steht eine US-amerikanische Familie, die diesen Weg tatsächlich lebt. Der Cowboy erscheint dabei zugleich als Projektionsfigur für Freiheit und Selbstbestimmung und als reale, oft prekäre Existenzform. Vom Jungen, der seinem großen Bruder nacheifert, bis zum jungen Erwachsenen, der Rückschläge bewältigen muss, zeichnet der Film einen ernüchternden, aber keineswegs entmutigenden Entwicklungsprozess nach. Ein Todesfall, familiäre Konflikte, der Alkoholismus des Vaters und die Trennung der Eltern markieren einschneidende Erfahrungen, die Crowleys Blick auf sich selbst und seine Zukunft nachhaltig verändern. So entsteht ein vielschichtiges Bild: Der Cowboy-Mythos bleibt wirksam, erweist sich jedoch als brüchig und muss sich im Alltag immer wieder neu bewähren. Seine Versprechen von Freiheit und Selbstbestimmung geraten dabei zunehmend in Spannung zur gelebten Realität.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Der Cowboy gilt oft als Symbol für Freiheit und Stärke. Wie wird dieses Bild im Film gezeigt – und an welchen Stellen wird es auch in Frage gestellt?

  • Welche Vorstellungen von "Männlichkeit" zeigt der Film? Welche davon wirken für euch heute noch passend, welche eher überholt?

  • Der Film verzichtet auf ein kommentierendes Zum Inhalt: Voice-Over und zeigt viele ruhige, beobachtende Zum Inhalt: Szenen. Wie wirkt diese Erzählweise auf euch/Sie? Stellt sich dadurch eher ein Gefühl der Nähe oder der Distanz zu Crowley ein? Warum?

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