Bildungsrelevant, weil "Everytime" mit filmsprachlich faszinierenden Mitteln von Trauer, Verantwortung und Sehnsucht erzählt.

Die Geschichte: Ein Teenager verunglückt, die Hinterbliebenen finden zueinander

Die alleinerziehende Mutter Ella lebt mit ihrer 17-jährigen Tochter Jessie und deren jüngerer Schwester Melli in Berlin (Glossar: Zum Inhalt: Drehort/Set). Eine Reise nach Teneriffa steht an, doch am Morgen vor dem Flug verunglückt Jessie. Mitverantwortlich scheint ihr Freund Lux: Mit ihm macht sie die Nacht durch, bevor sie im Drogenrausch von einem Hochhaus stürzt. Einige Monate nach dem Unfall haben Ella und Melli neue Routinen der Alltagsbewältigung entwickelt. Als Lux von einem Auslandsaufenthalt zurückkehrt, nähern sich die Hinterbliebenen in ihrer Trauer langsam an. Schließlich bricht das Trio zu jenem Urlaub auf, den Jessie nicht mehr erlebte. Im Hotelflur entdeckt Melli ein spielendes Mädchen; eine Zum Inhalt: Szene, die sie vorher identisch auf einer Videokassette von Jessie als Kleinkind gesehen hat.

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Filmische Umsetzung: Surreale Inszenierung von Trauer

"Everytime" gewann beim Filmfestival von Cannes 2026 in der Sektion Un Certain Regard und ist der dritte Zum Inhalt: Spielfilm von Sandra Wollner. Nach "The Trouble With Being Born" (DE/AT 2020) vertieft die Zum Inhalt: Regisseurin ihre surreale Annäherung an das Thema Verlust. Die erste Filmhälfte scheint dokumentarisch inszeniert (Glossar: Zum Inhalt: Dokumentarfilm). Teilweise legen Zum Inhalt: Zooms aus großer Entfernung eine beobachtende Instanz nahe: So wird auch Jessies tödlicher Sturz in Sekundenschnelle aus der Ferne, zudem gänzlich ohne Ton gefilmt (Glossar: Zum Inhalt: Tongestaltung/Sound-Design). Mit Mellis Fund auf Teneriffa verrutschen die Realitätsebenen. Die traumartigen Geschehnisse der Urlaubswelt werden in der Zum Inhalt: Exposition durch Bilder aus dem Videospiel Minecraft vorgezeichnet, das Jessie noch kurz vor ihrem Tod gespielt hat. Nach der Tragödie vermitteln die virtuellen Landschaften das Trauererleben der Hauptfiguren: Alles erscheint simuliert, die Regeln der Alltagswelt gelten nicht mehr. Als Jessie auf Teneriffa als Kleinkind auftaucht, wirkt das wie ein Glitch. So nennen Gamer/-innen kleine Bild- oder Spielfehler, die nicht zwangsweise lähmen, sondern auch Chancen eröffnen können. Passend dazu steht die Wiedervereinigung auf Teneriffa im Licht einer pixelförmigen Sonne – eine surreale Wiederkehr der Morgensonne, die Jessie vor dem Unfall als Letztes fotografierte.

Das Thema: Verlust zwischen Schuldgefühlen und Sehnsüchten

Mit seiner eindrücklichen Gestaltung ermöglicht "Everytime" die Einfühlung in einen Trauerprozess. Dabei konzentriert sich das Zum Inhalt: Drama nicht auf eine Hauptfigur, sondern zeigt gleich drei Hinterbliebene und ihre Entwicklungen: Mutter Ella zwischen pragmatischer Alltagsbewältigung und der spontanen Idee der Teneriffa-Reise; Teenager Lux, der mit Schuldgefühlen kämpft, aber trotzdem auf Ella und Melli zugeht; das Kind Melli, das mit der Handynummer der Toten chattet und nach deren scheinbarer Wiederkehr ungefragt die Rolle der großen Schwester annimmt. Dank dieser unterschiedlichen Figuren ermöglicht das Drama ein Gespräch über Trauer als jeweils individuellen und trotzdem gemeinsamen Prozess. Durch die Einbindung von Chat-Apps, Handyfotos und Videospielen greift "Everytime" die vertraute Bildwelt von Kindern und Jugendlichen auf und erleichtert so den Gesprächseinstieg in eine sensible Thematik.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Kennt ihr andere Filme über Trauer? Wie unterscheiden sie sich von "Everytime"?

  • Wie taucht das Motiv der Sonne im Film auf und wofür könnte es stehen?

  • Im Film vermitteln Minecraft-Landschaften die Gefühlswelt der Figuren. Welche anderen Spiele fallen euch ein, mit denen man eine Geschichte über Verlust inszenieren könnte?

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