Kategorie: Filmbesprechung
"Boyz n the Hood – Jungs im Viertel"
Boyz n the Hood
John Singletons Drama über den von Rassismus, Gewalt und Drogen geprägten Alltag Schwarzer Jugendlicher in South Central Los Angeles
Unterrichtsfächer
Thema
Bildungsrelevant, weil der packende Genrefilm glaubhaft soziale Realitäten der afroamerikanischen Community vermittelt.
Die Geschichte: Im Kreuzfeuer der Gangs
South Central Los Angeles, Mitte der 1980er-Jahre. Nach einer Schulschlägerei schickt die Mutter den 10-jährigen Tré zu seinem Vater, den er nur von Wochenendbesuchen kennt. In Crenshaw, einem von Armut und Kriminalität geprägten Viertel, trifft Tré alte Freund/-innen wieder: Mit Doughboy, Ricky und Chris wird er seine High-School-Zeit verbringen. Sieben Jahre später dreht sich der Alltag der Clique um Gruppenzugehörigkeit, ersten Sex und Zukunftsfragen. Doch die allgegenwärtige Gewalt und Drogensucht im Viertel hat bei den Teenagern Spuren hinterlassen. Während Trés Vaters mit strenger Erziehung verhindern will, dass sein Sohn auf die schiefe Bahn gerät, hat sich Doughboy einer Gang, den "Crips", angeschlossen und handelt mit Drogen. Das bringt die verfeindeten "Bloods" auf den Plan, die es auf die Freundesgruppe abgesehen haben.
Filmische Umsetzung: Aktivismus und Unterhaltung
"Boyz n the Hood" verbindet Erinnerungen des Regisseurs John Singleton an seine Jugend mit klassischen Elementen des Unterhaltungskinos, etwa der dramaturgischen Heldenreise. Tré bildet zwar den Fokus der Erzählung, aber seine Wahrnehmung bietet Zuschauer/-innen einen Platz in der filmischen Welt der "hood". Tré ist ein teilnehmender Beobachter: Nahaufnahmen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) zeichnen seine Unbedarftheit als kleiner Junge nach, während ein markanter Synthesizer-Score (Glossar: Zum Inhalt: Filmmusik) die Melancholie und Melodramatik der Zum Inhalt: Szenen unterstreicht. Hinzu kommen explizite Gewaltdarstellungen – etwa in spannenden Parallelmontagen inszeniert – sowie komische Momente und allgegenwärtige Hip-Hop-Beats aus den Radios der Teenager, die von einem geteilten Lebensgefühl erzählen. Singleton nutzt diese breite emotionale Klaviatur, um den aktivistischen Untertönen seines Regiedebüts zusätzliche Kraft zu verleihen.
Das Thema: Aufbegehren gegen rassistische Gesellschaftsstrukturen
Gegen Ende entscheidet sich Tré dagegen, Vergeltung für den Tod seines Freundes Ricky zu üben: Er steigt aus dem Auto seines Freundes aus und beteiligt sich nicht am Rachemord. Stattdessen folgt er dem Weg seines Vaters, der sein Umfeld über die Wurzeln der Gewalt aufklärt: über Gentrifizierung, geduldeten Drogenhandel und rassistische Polizeiarbeit. Der Film spricht ein Selbstverständnis an, das auf die Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre zurückgreift, wenn Trés Vater sagt: "They want us to kill ourselves" ("Sie wollen, dass wir uns selbst töten") – und damit strukturellen Rassismus gegen Schwarze meint, der zu Drogentoten und Gewalt innerhalb der Community führt. Nur ein Jahr nach dem Kinostart des Films brechen am 29. April 1992, unweit der Originalschauplätze (Glossar: Zum Inhalt: Drehort/Set), die sogenannten L.A. Riots aus: Ein Video, in dem vier Polizisten auf den Afroamerikaner Rodney King einprügeln, führt zu gewaltsamen Ausschreitungen, die sechs Tage andauern.
Fragen für ein Filmgespräch
Schon die Besetzung einer Hauptrolle mit dem bekannten Rapper Ice Cube weist auf die Bedeutung der Musik für den Film hin. Diskutiert die Wirkung der verschiedenen Musikstile in Bezug auf die Stimmung einzelner Szenen.
Trotz Gewalt und Drogenmissbrauch im Viertel zeigt der Film viele positive Interaktionen der Freundesgruppe. Welche sind Euch aufgefallen?
Über welche Formen der strukturellen Unterdrückung Schwarzer Menschen klärt Trés Vater sein Umfeld auf und welche seiner Argumente findet Ihr besonders stark?