Bildungsrelevant, weil der Film den männlich geprägten Western-Mythos aufbricht und am Beispiel einer unkonventionellen Familie Diskussionen über weibliche Selbstermächtigung, Armut und Wahlgemeinschaften anstößt.

Die Geschichte: Verlust und Zusammenhalt im neuen Westen

Am Rande der Badlands von South Dakota lebt Tabatha mit ihren Kindern, ihrer Mutter und mehreren Jugendlichen, für die sie das Sorgerecht übernommen hat. Ihren Lebensunterhalt verdient die Gemeinschaft mit Pferden: Tabatha rettet vernachlässigte Tiere, bildet sie aus und verkauft sie weiter. Auch ihre Tochter Porshia und die anderen Teenager sind talentierte Reiter/-innen und auf Rodeos unterwegs. Doch hinter der Freiheit auf dem Rücken der Pferde stehen existenzielle Sorgen und persönliche Verluste. Der Suizid von Tabathas früherem Lebenspartner belastet die Familie. Das Einkommen aus Wettkämpfen und dem wenig professionell aufgezogenen Pferdehandel via TikTok und auf lokalen Auktionen reicht kaum aus, um die Ranch zu erhalten. Als ein wohlhabender Pferdehändler ein lukratives Angebot macht, scheint sich ein Ausweg zu eröffnen.

Wenn Sie diesen Drittanbieter-Inhalt von www.youtube-nocookie.com aktivieren, ermöglichen Sie dem betreffenden Anbieter, Ihre Nutzungsdaten zu erheben. Weitere Informationen zur Nutzung von Drittanbieter-Inhalten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Externer Link: Datenschutzerklärung anzeigen

Filmische Umsetzung: Hybrid aus Dokumentation und Fiktion

Die Regisseurin Kate Beecroft lernte Tabatha und ihre Familie zufällig kennen und verbrachte längere Zeit bei ihnen auf der Ranch. Aus ihren Erfahrungen entwickelte sie einen Film, der fiktionale Handlung und dokumentarische Elemente (Glossar: Zum Inhalt: Dokumentarfilm) verbindet. Die meisten Beteiligten spielen sich selbst, wodurch eine große Nähe und Authentizität entsteht. Nur vereinzelt sind Rollen mit professionellen Darsteller/-innen besetzt, etwa der Pferdehändler Roy – wobei dieser fiktionalisierte Handlungsstrang etwas konstruiert wirkt. Besonders stark ist der Film in seinen dokumentarischen Beobachtungen: Rodeos, Pferderennen, Auktionen und Zum Inhalt: Szenen des Zusammenlebens auf der Ranch vermitteln eindrucksvoll den Alltag der Wahlgemeinschaft. Landschaftstotalen (Glossar: Zum Inhalt: Einstellungsgrößen) zeigen die Weite South Dakotas (Glossar: Zum Inhalt: Drehort/Set) – mit hohen Gräsern, Wolkenschatten und den schroffen Erosionen der Badlands. Die Schönheit dieser Naturaufnahmen kontrastiert eindrucksvoll mit der Härte des Lebens vor Ort.

Das Thema: Zwischen Verantwortung und Freiheitsdrang

"The New West" erzählt von Armut, Trauer und Zusammenhalt, aber auch vom Erwachsenwerden und von weiblicher Selbstermächtigung. Im Mittelpunkt stehen Frauen und Mädchen, die sich in einem männlich geprägten Umfeld behaupten. Damit greift der Film klassische Motive des Zum Inhalt: Western-Genres wie Existenzkampf, Selbstbestimmung oder Gemeinschaft auf und überträgt sie in die Gegenwart. Das traditionelle Familiengefüge wird hier zugunsten einer eingeschworenen Wahlverwandtschaft hinterfragt, in der Verantwortung und Fürsorge gemeinschaftlich getragen werden. Die Pferde spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie geben Halt und helfen den Figuren, mit persönlichen Erlebnissen und emotionalen Verletzungen umzugehen. Vor allem die Jugendlichen prägen den Film: Sie wachsen in einer rauen Umgebung auf, die Einschränkungen mit besonderen Freiräumen verbindet. Trotz aller Schwierigkeiten zeichnet "The New West" kein düsteres Bild, sondern zeigt Menschen, die ihren Optimismus nicht verloren haben.

Fragen für ein Filmgespräch

  • Inwiefern bricht der Film mit klassischen Western-Klischees, und wie verändert der Fokus auf weibliche Charaktere den Blick auf das Zum Inhalt: Genre?

  • Wie werden dokumentarische und fiktionale Elemente verbunden – und welche Wirkung hat diese Mischung?

  • Die Jugendlichen erleben sowohl große Freiräume als auch wirtschaftliche Zwänge. Wie gelingt es ihnen, ihre Unabhängigkeit und ihren Optimismus zu bewahren?

Der Text ist lizenziert nach der Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Mehr zum Thema