Bildungsrelevant, weil die Serie die schleichende Gefahr von Alltagsrassismus verdeutlicht und zeigt, wie aus kollektivem Schmerz eine Bewegung gegen Rechtsextremismus entstehen kann.

Die Geschichte: Ein rassistischer Mord erschüttert Holmlia

Im Osloer Stadtteil Holmlia genießen die Freunde Benjamin und Elias im Sommer 2000 ein unbeschwertes Leben zwischen Schule und Strandtagen. Doch auch an diesem zunächst friedlich scheinenden Ort, an dem Menschen verschiedener Ethnien und Hautfarben miteinander leben, zeigen sich Risse in Form von unterschwelligem Rassismus und einem Hakenkreuz an der Schulwand. Die vermeintliche Idylle zerbricht schließlich, als Benjamin in einer Januarnacht 2001 einem rassistisch motivierten Mord zum Opfer fällt. Das Verbrechen versetzt die lokale Gemeinschaft in einen Schockzustand. Benjamins Mutter Marit versinkt zunächst in Apathie, Elias leidet unter traumatischen Schuldgefühlen. Zugleich jedoch rüttelt die Tat Norwegen auf: Der Mord an dem 15-Jährigen löst eine landesweite Bewegung aus, bei der zehntausende Menschen gegen Rassismus demonstrieren.

Trailer zur Serie AFTER BENJAMIN (© ZDF)

Filmische Umsetzung: Das Gefühl der 2000er

Als Koproduktion im Rahmen des Zum externen Inhalt: New8-Verbunds (öffnet im neuen Tab) – einer strategischen Partnerschaft acht europäischer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten – unterstreicht "After Benjamin" den Anspruch, relevante Zeitgeschichte für ein junges Publikum modern aufzubereiten. Zu Beginn jeder Folge erklärt ein Disclaimer, dass die Serie zwar durch wahre Begebenheiten inspiriert ist, jedoch aus Respekt vor den Beteiligten eine fiktionale Geschichte mit eigenen Figuren erzählt. Regisseur (Glossarbegriff: Zum Inhalt: Regie) Mikael Diseth, der selbst auf Benjamins Schule ging, setzt auf eine Ästhetik, die das Lebensgefühl der frühen 2000er-Jahre wirkungsvoll einfängt. Einspielungen von Homevideos mit VHS-Optik oder Nachrichten auf Röhren-TV-Geräten fungieren als visuelle Zeitmarker, während eingeblendete Tagebucheinträge und SMS-Nachrichten die Kommunikation der Jugendlichen authentisch abbilden. Die Zum Inhalt: Farbgestaltung unterstützt die Dramaturgie: Lichtdurchflutete, warme Farben dominieren den Sommer 2000, während die Zeit nach der Tat in der zweiten Folge in kalter, schattenreicher Düsternis versinkt. Die Erzählstruktur nutzt wechselnde Perspektiven, wobei die Innensicht der Figuren punktuell durch die Stimme eines Zum Inhalt: Off-Erzählers vertieft wird, einem am Anfang der Serie im Bild als "Zeuge" etablierten Altersgenossen von Benjamin und Elias, der jedoch nicht aktiv ins Geschehen eingreift.

Thema: Eine Gemeinschaft trauert

"After Benjamin" zeigt eindrücklich, dass Rassismus bereits dort beginnen kann, wo Symbole des Hasses im Alltag ignoriert werden. Es geht um die Frage der individuellen Verantwortung, die Mechanismen von Gruppenzugehörigkeit und die Bedeutung von öffentlichem Gedenken. Besonders relevant ist der Blick auf die sogenannte Generation Holmlia: Jene jungen Menschen aus dem Osloer Stadtteil, die durch das kollektive Trauma des Mordes an Benjamin Hermansen politisiert wurden und heute als Symbol für ein diverses, geeintes Norwegen rechtsextremistischen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenstehen.

Fragen für ein Filmgespräch:

  • Elias fühlt sich nach der Ermordung seines Freundes schuldig. Warum fällt es ihm so schwer, über die Erlebnisse der Tatnacht zu sprechen?

  • Wie verändert sich die visuelle Gestaltung der Serie nach Benjamins Tod? Was sagt das über die Stimmung der Charaktere aus?

  • In der Serie tauchen Hakenkreuze an der Schule auf. Habt ihr in eurem Alltag schon einmal Symbole oder Sprüche erlebt, die Menschgruppen diskriminieren oder beleidigen? Wie hat euer Umfeld darauf reagiert?

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