Kategorie: Filmbesprechung + Arbeitsblatt
"Menschen können zweimal sterben"
Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma: Der Kurzfilm erzählt von zwei Brüdern, die als Sinti während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden, und reflektiert zugleich das Gedenken an den Porajmos (mit einem Arbeitsblatt).
Unterrichtsfächer
Thema
Weitere Kurzfilme zum Thema finden Sie auf der Website der Zum externen Inhalt: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (öffnet im neuen Tab) unter dem Reiter „Animationsfilme“.
Bildungsrelevant, weil der Kurzfilm von der Verfolgung einer Sinti-Familie während der NS-Zeit erzählt und dabei eine niedrigschwellige, aber tiefgehende Auseinandersetzung mit deutscher Erinnerungskultur und Antiziganismus ermöglicht.
Die Geschichte: Das Schicksal einer Sinti-Familie aus Pommern
Romeo Franz erzählt von seinem Großonkel Vinko und dessen Bruder Schanno, zwei Söhne einer Sinti-Familie aus Pommern, die ihren Traum wahrmachten und nach dem Ersten Weltkrieg mit ihrer Musikgruppe Die Kapelle Franzens auftraten. Sie sind bekannt und beliebt, spielen in den Ostseebädern, bei Stummfilmvorführungen, im Lazarett. Das ändert sich, als die Nationalsozialisten an die Macht kommen. 1943 werden Vinko und Schanno nach Auschwitz deportiert, Schannos Spur verliert sich, Vinko wird ermordet. Sein Geigenbogen „überlebt“ mit dem Rest der großen Familie in Italien.
Filmische Umsetzung: Audiovisuelles Erinnern mit persönlichen Fotos, Illustration und Musik
Illustrationen und alte Fotos, die mithilfe von Zeichnungen vervollständigt, weitergedacht und animiert werden (Glossar: Zum Inhalt: Animationsfilm), sind Grundlage des Zum Inhalt: Kurzfilms. So entsteht eine bildliche Erzählung, die Verfolgung und Ermordung ohne die explizite Darstellung von Gewalt eindrücklich darstellt. Aus dem Zum Inhalt: Off berichtet Romeo Franz als Ich-Erzähler vom Leben seines Großonkels. Zugleich erzählt er von der Erfahrung der Nachgeborenen, die erleben müssen, dass das Leid ihrer Vorfahren im kollektiven Gedenken nicht ausreichend Platz findet. Musikalisch begleitet, wird der Film vom Stück Mare Manuschenge – Unseren Menschen, das Romeo Franz selbst komponiert hat. Die Zuschauer/-innen sollen es, so sein direkter Appell, als „Störton“ mitnehmen (Glossar: Zum Inhalt: Filmmusik). Der Film und die Musik wurden für das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti/-zze und Rom/-nja realisiert, welches 2012 im Berliner Tiergarten eröffnet wurde. Es bildet auch die Kulisse (Glossar: Zum Inhalt: Drehort/Set) für das Schlussbild: Mit Vinkos Geigenbogen spielt Romeo Franz seine Komposition und schließt damit persönlich, musikalisch und auch erzählerisch einen Kreis.
Das Thema: Erinnerung statt Schlussstrich
Die Brüder Vinko und Schanno stehen stellvertretend für über eine halbe Million Menschen, die während der NS-Zeit als Sinti/-zze und Rom/-nja verfolgt und ermordet wurden. Im Zusammenhang mit dem Andenken daran wird oft vom „vergessenen Holocaust“ gesprochen, denn bis heute wird dieser Opfergruppe wenig Raum innerhalb der deutschen Erinnerungskultur eingeräumt. Die Nicht-Anerkennung des Leides, die teils fortgeführte Diskriminierung und Ausgrenzung der offiziell anerkannten Minderheit der Sinti/-zze und Rom/-nja wird im Film als Fortsetzung der im Nationalsozialismus erlebten Gewalt – als zweiter Tod – angeprangert. "Menschen können zweimal sterben" fordert Platz für die Erinnerung an alle Verfolgten des NS-Regimes. Er erzählt von einer doppelt schmerzhaften Erfahrung, die Folgen hat für die Überlebenden und ihre Nachfahren ebenso wie für die gesamte demokratische Gesellschaft: Der Ausschluss aus dem Gedenken an die Opfer und die Notwendigkeit, zugleich für dieses Gedenken kämpfen zu müssen. Der Film ist ein Plädoyer gegen einen immer öfter geforderten „Schlussstrich“.
Fragen für ein Filmgespräch
Der Filmtitel "Menschen können zweimal sterben" wird im Film mehrmals genannt. In welchen Zusammenhängen taucht er auf? Welcher Appell an uns Zuschauende steckt dahinter?
Wie und warum wurde in dem Film Animation verwendet? Welche Wirkung hat das?
Welchen Eindruck habt ihr von den beiden Brüdern, Vinko und Schanno? Wie werden sie im Film dargestellt, was zeichnete sie aus?
Weiterführende Links
- External Link bpb.de: Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma
- External Link Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
- External Link RomaTrial e.V. – Transkulturelle Selbstorganisation von Roma und Nicht-Roma
- External Link Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
- External Link Romarchive Film
- External Link bpb.de: Das Denkmal für die im Namen des Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Ein Gespräch mit Romani Rose.
- External Link bpb.de: Antiziganismus, was ist das? (Erklärvideo)
- External Link bpb.de (Shop): Handreichung „Kritische Auseinandersetzung mit Antiziganismus“
- External Link bpb.de: WESLEY SCHWIMMT (Kurzfilm als VoD)
- External Link Vision Kino: FilmTipp ZOOM zu WESLEY SCHWIMMT und MENSCHEN KÖNNEN ZWEIMAL STERBEN
- External Link Lernplattform: romasintigenocide.eu
- External Link Deutsches Historisches Museum: Der Völkermord an Sinti und Roma
- External Link RBB: Sendehinweis: Junge Roma heute – zwischen Herkunft und Zukunft